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		<title>Standardsituationen der Technologiekritik</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jan 2010 22:24:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frankenschulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[[MERKUR 727/2009]
Internetkolumne: Standardsituationen der Technologiekritik
Von Kathrin Passig
Der Anthropologe Brent Berlin und der Linguist Paul Kay beschrieben 1969 in einer Studie über die Farbbezeichnungen unterschiedlicher Kulturen die immer gleiche Abfolge der beobachteten Entwicklungsstufen. Kulturen mit nur zwei Farbbegriffen unterscheiden zwischen »hellen« und »dunklen« Tönen. Kennt eine Kultur drei Farben, ist die dritte Farbe Rot. Wenn sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Volltext im MERKUR" href="http://www.online-merkur.de/seiten/lp200912adz.htm">[MERKUR 727/2009]</a></p>
<p><strong>Internetkolumne: Standardsituationen der Technologiekritik</strong><br />
Von Kathrin Passig</p>
<p>Der Anthropologe Brent Berlin und der Linguist Paul Kay beschrieben 1969 in einer Studie über die Farbbezeichnungen unterschiedlicher Kulturen die immer gleiche Abfolge der beobachteten Entwicklungsstufen. Kulturen mit nur zwei Farbbegriffen unterscheiden zwischen »hellen« und »dunklen« Tönen. Kennt eine Kultur drei Farben, ist die dritte Farbe Rot. Wenn sich die Sprache weiter ausdifferenziert, kommt zuerst Grün und/oder Gelb und danach Blau hinzu. Alle Sprachen mit sechs Farbbezeichnungen unterscheiden Schwarz, Weiß, Rot, Grün, Blau und Gelb. Die nächste Stufe ist Braun, dann erscheinen in beliebiger Reihenfolge Orange, Rosa, Violett und/oder Grau, ganz zum Schluss taucht Hellblau auf.</p>
<p>Die Reaktion auf technische Neuerungen folgt in Medien und Privatleben ähnlich vorgezeichneten Bahnen. Das erste, noch ganz reflexhafte Zusammenzucken ist das »What the hell is it good for?« (Argument eins), mit dem der IBM-Ingenieur Robert Lloyd 1968 den Mikroprozessor willkommen hieß. Schon Praktiken und Techniken, die nur eine Variante des Bekannten darstellen – wie die elektrische Schreibmaschine als Nachfolgerin der mechanischen –, stoßen in der Kulturkritikbranche auf Widerwillen. Noch schwerer haben es Neuerungen, die wie das Telefon oder das Internet ein weitgehend neues Feld eröffnen. Wenn es zum Zeitpunkt der Entstehung des Lebens schon Kulturkritiker gegeben hätte, hätten sie missmutig in ihre Magazine geschrieben: »Leben – what is it good for? Es ging doch bisher auch so.«</p>
<p><span id="more-538"></span>Weil das Neue eingespielte Prozesse durcheinanderbringt, wird es oft nicht nur als nutzlos, sondern als geradezu lästig empfunden. Der Student Friedrich August Köhler schrieb 1790 nach einer Fußreise von Tübingen nach Ulm: »Zwar wurden vermöge eines landesherrlichen Edicts überal (Wegezeiger) errichtet, aber ihre Existenz war kurz, weil sie der ausgelassene Pöbel an den meisten Orten zerstörte, welches besonders in den Gegenden der Fall ist, wo die Landleute zerstreut auf Höfen wohnen und wenn sie in Geschäften nach der nächsten Stadt oder dem nächsten Dorf kommen, meistens betrunken nach Hause kehren und weil ihnen der Weg bekanndt ist, Wegezeiger für eine unnöthige Sache halten.«</p>
<p>Ähnlich unbegeistert scheinen die Pariser die 1667 unter Louis XIV. eingeführte Straßenbeleuchtung begrüßt zu haben. Dietmar Kammerer vermutet in der Süddeutschen Zeitung, es habe sich bei der häufigen Zerstörung dieser Laternen um einen Protest der Bürger gegen den Verlust ihrer Privatsphäre gehandelt, weil ihnen klar war, »das ist eine Maßnahme des Königs, um die Straßen unter seine Kontrolle zu bringen«. Eine einfachere Erklärung wäre, dass der Bürger auf unbeaufsichtigt in der Gegend herumstehende Neuerungen generell aggressiv reagiert. Zuletzt war es die Deutsche Bahn, die erklärte, der anfängliche Vandalismus an ihren auffälligen Leihfahrrädern habe mittlerweile nachgelassen, die Einwohner hätten sich »an den Anblick der Räder gewöhnt«.</p>
<p>Wenn sich herausstellt, dass das neue Ding nicht so überflüssig ist wie zunächst angenommen, folgt das kurze Interregnum von Argument zwei: »Wer will denn so was?« »That’s an amazing invention«, lobte US-Präsident Rutherford B. Hayes 1876 das Telefon, »but who would ever want to use one of them?« Und von Filmstudiochef Harry M. Warner ist die um 1927 gestellte Frage überliefert: »Who the hell wants to hear actors talk?«</p>
<p>Im Angesicht der Faktenlage – irgendwer will das Telefon dann ja doch benutzen – einigt man sich schließlich auf Argument drei: »Die Einzigen, die das Neue wollen, sind zweifelhafte oder privilegierte Minderheiten.« In den neunziger Jahren hieß es vom Internet, es werde ausschließlich von weißen, überdurchschnittlich gebildeten Männern zwischen 18 und 45 genutzt. Mehr noch, es habe auch keine Chance, breitere Bevölkerungsschichten zu erreichen, denn »Frauen interessieren sich weniger für Computer und scheuen die unpersönliche Öde des Netzes. Im realen, nichtvirtuellen Leben sind Frauen aber die wichtigeren Käufer als Männer. Dem Internet fehlt daher eine maßgebende Käuferschicht.« So schrieb Hanno Kühnert 1997 im Merkur unter dem aufrüttelnden Titel Wenn das Internet sich nicht ändert, wird es zerfallen.</p>
<p>[...]</p>
<p><a title="Volltext im MERKUR" href="http://www.online-merkur.de/seiten/lp200912adz.htm">[weiter im MERKUR]</a></p>
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		<title>Mein Kopf kommt nicht mehr mit</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jan 2010 22:16:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frankenschulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[[DER SPIEGEL 47/2009]
Intelligenz: Mein Kopf kommt nicht mehr mit
Von Frank Schirrmacher
Wer frisst wen in der digitalen Gesellschaft? Der darwinistische Wettlauf zwischen Mensch und Computer.
Was mich angeht, so muss ich bekennen, dass ich den geistigen Anforderungen unserer Zeit nicht mehr gewachsen bin. Ich dirigiere meinen Datenverkehr wie ein Fluglotse den Luftverkehr: immer bemüht, einen Zusammenstoß zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Volltext auf SPIEGEL ONLINE" href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,661307,00.html">[DER SPIEGEL 47/2009]</a></p>
<p><strong>Intelligenz: Mein Kopf kommt nicht mehr mit</strong><br />
Von Frank Schirrmacher</p>
<p><em>Wer frisst wen in der digitalen Gesellschaft? Der darwinistische Wettlauf zwischen Mensch und Computer.</em></p>
<p>Was mich angeht, so muss ich bekennen, dass ich den geistigen Anforderungen unserer Zeit nicht mehr gewachsen bin. Ich dirigiere meinen Datenverkehr wie ein Fluglotse den Luftverkehr: immer bemüht, einen Zusammenstoß zu vermeiden, und immer in Sorge, das Entscheidende übersehen zu haben. Ohne Google wäre ich aufgeschmissen und nicht mehr imstande, einen Handwerker zu bestellen oder zu recherchieren.</p>
<p>Dabei fühlte ich mich niemals von Computern überfordert. Ich simse am Stück und weiß, wo ich im Internet Antworten auf meine Fragen finde.</p>
<p>Ich will sagen: Weder bin ich der Amish des Internet-Zeitalters noch ein technologischer Einsiedler. Aber etwas stimmt nicht mehr. Mein Kopf kommt nicht mehr mit. Zwar bilde ich mir ein, dass ich meinen Gesprächspartnern ebenbürtig bin, und ich habe nicht den Eindruck, dass ich heute weniger von der Welt verstehe als früher.</p>
<p>Aber das Problem ist meine Mensch-Computer-Schnittstelle. &#8220;Das Hirn ist nichts anderes als eine Fleisch-Maschine&#8221;, hat leicht verächtlich Marvin Minsky, einer der ersten Forscher auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz, schon vor Jahrzehnten gesagt. Und meine &#8220;Fleisch-Maschine&#8221; ist offenbar nicht mehr besonders gut.</p>
<p>Damit ein leistungsschwaches Handy eine mit technischen Spielereien vollgepackte Website trotzdem darstellen kann, haben die Programmierer eine Methode erfunden, die sich &#8220;graceful degradation&#8221; nennt, auf Deutsch: &#8220;würdevolle Herabstufung&#8221;. Die Website gibt sich gewissermaßen bescheiden, um das Handy nicht in seinem Stolz zu verletzen.</p>
<p>Das Verhältnis meines Gehirns zur Informationsflut ist das der permanenten würdelosen Herabstufung. Ich spüre, dass mein biologisches Endgerät im Kopf nur über eingeschränkte Funktionen verfügt und in seiner Konfusion beginnt, eine Menge falscher Dinge zu lernen.</p>
<p><span id="more-533"></span>Aber ich habe auch meinen Stolz. Ich schließe von meinem Kopf auf viele Köpfe und darauf, dass es mir wie vielen geht: Ich glaube, es hat, um ein Lieblingswort der Informatiker zu zitieren, eine Rückkoppelung stattgefunden, die jenen Teil der Aufmerksamkeit, den wir früher uns selbst widmeten, abzapft, auffrisst und als leere Hülle zurücklässt. Man nennt das &#8220;feed-back&#8221;, wörtlich: eine Rück-Ernährung. Aber wer ernährt sich von unserer Aufmerksamkeit?</p>
<p>Keine SMS, kein Blog, keine E-Mail wird in den Wind gesendet. Keine Suchanfrage, kein Tweet, kein Click geht verloren. Nichts verschwindet, und alles speist Datenbanken. Wir füttern mit unseren Gedanken, Worten und E-Mails das Wachstum eines gewaltigen synthetischen Hirns.</p>
<p>Mir scheint, dass viele Leute gerade merken, welchen Preis wir zahlen. Buchstäblich. Ich bin unkonzentriert, vergesslich, und mein Hirn gibt jeder Ablenkung nach. Ich lebe ständig mit dem Gefühl, eine Information zu versäumen oder zu vergessen. Und das Schlimmste: Ich weiß noch nicht einmal, ob das, was ich weiß, wichtig ist oder das, was ich vergessen habe, unwichtig.</p>
<p>Kurzum: Ich werde aufgefressen.</p>
<p>[...]</p>
<p><a title="Volltext auf SPIEGEL ONLINE" href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,661307,00.html">[weiter auf SPIEGEL ONLINE]</a></p>
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		<title>Mauerfall: Die letzte Elite</title>
		<link>http://frankenschulz.de/blog/2009/11/30/mauerfall-die-letzte-elite/</link>
		<comments>http://frankenschulz.de/blog/2009/11/30/mauerfall-die-letzte-elite/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 30 Nov 2009 21:12:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frankenschulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Besser als jeder der anderen 1000 Mauerfall-Gedenkartikel der letzten Wochen&#8230;
[DER SPIEGEL 43/2009]
Die letzte Elite
Von Gutsch, Jochen-Martin
Im September 1988 begann eine Klasse der Immanuel-Kant-Oberschule mit dem Abitur. Die Schüler sollten den Sozialismus voranbringen. Dann fiel die Mauer, und das Leben musste eine neue Richtung finden. Welche? Wo sind sie 20 Jahre später angekommen?
Auf dem letzten Foto [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Besser als jeder der anderen 1000 Mauerfall-Gedenkartikel der letzten Wochen&#8230;</em></p>
<p><a title="Volltext auf SPIEGEL ONLINE" href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-67398822.html">[DER SPIEGEL 43/2009]</a></p>
<p><strong>Die letzte Elite</strong><br />
Von Gutsch, Jochen-Martin</p>
<p><em>Im September 1988 begann eine Klasse der Immanuel-Kant-Oberschule mit dem Abitur. Die Schüler sollten den Sozialismus voranbringen. Dann fiel die Mauer, und das Leben musste eine neue Richtung finden. Welche? Wo sind sie 20 Jahre später angekommen?</em></p>
<p>Auf dem letzten Foto stehen wir vor der Schule. Es ist der Sommer 1990, und wir haben gerade ein DDR-Abitur gemacht. Es ist kein echtes Abschlussfoto. Wir stehen nicht in Reihen, wir tragen aus Gründen, die ich vergessen habe, weiße Hemden oder Blusen, kaum jemand schaut in die Kamera, es ist ein wackliges, chaotisches Foto, aber vielleicht passt es ganz gut zur Stimmung und den Zeiten, damals. Wir sind 18 Jahre alt. Es ist nicht mehr ganz klar, wohin wir jetzt gehen werden.</p>
<p>Fast alles, was auf diesem letzten Foto noch sichtbar ist, ist heute verschwunden. Zuerst verschwand das Land, die DDR. Dort wurden wir groß, im Ost-Berlin der siebziger und achtziger Jahre, Stadtbezirk Lichtenberg. Im September 1988 begannen wir mit dem Abitur an der Erweiterten Oberschule Immanuel Kant. Es gab einen Fahnenappell, wir trugen FDJ-Hemden und waren die Auserwählten, zugelassen für zwei weitere Schuljahre. Es war nicht leicht, in der DDR ein Abitur zu machen. Der Zugang war beschränkt. Wir hatten gute Noten und waren als politisch überzeugt oder unbedenklich eingestuft worden. Der Direktor hielt eine Rede, er sprach von Ehre und Verpflichtung. Wir sollten das Abitur machen, anschließend studieren und sozialistische Akademikerpersönlichkeiten werden, die nächste DDR-Elite, die den Sozialismus voranbringt. Wir waren die neuen Fahnenträger für die große Sache. Wir waren 20 Schüler in unserer Klasse. Einige wollten Offizier werden, andere Arzt, Lehrer, Ökonom.</p>
<p>Ein gutes Jahr später fiel die Mauer.</p>
<p><span id="more-524"></span>Ein weiteres Jahr später verhandelten Michail Gorbatschow und Helmut Kohl in Strickjacke und Strickpullover die deutsche Einheit. So wurden wir keine sozialistische Elite, sondern der letzte Abiturjahrgang der DDR. Die letzte DDR-Generation, die im Sozialismus die Schule beendete. Die erste, die im Kapitalismus erwachsen wurde. Eine Schulklasse an historischer Schnittstelle. Die Klasse von 1989/90.</p>
<p>Die schmale Straße, die zur Schule führte, beginnt gegenüber dem ehemaligen Gebäude der Staatssicherheit und trägt den Namen des Widerstandskämpfers Schulze-Boysen. Sie führt in ein Plattenbaugebiet, elfgeschossig, viel DDR-Beton, die Fassaden sind heute bunt, aus der alten HO-Kaufhalle wurde ein Kaiser&#8217;s-Supermarkt, an der Seite der Asia-Imbiss, wo sich die Trinker treffen. Ansonsten könnte man hier noch immer einen Film drehen über Ost-Berlin. Man müsste die Autos austauschen, ansonsten nicht viel.</p>
<p>Auch die alte Schule ist verschwunden. Auf dem letzten Foto sieht man sie noch im Hintergrund, vor einigen Jahren wurde sie abgerissen und ein neues Gebäude errichtet, rund und apfelsinenfarben. Ein Kiez-Treff, der Yoga-Kurse anbietet, eine Senioren-Singgruppe und Osteoporose-Gymnastik. Die alte Schule war blassweiß und eckig. Ein DDR-Einheitsschulneubau. Die einzigen Überlebenden auf dem letzten Foto sind anscheinend wir selbst. 19 junge Ost-Berliner, gerade volljährig, vor einer verblassenden Kulisse.</p>
<p>Im Sommer 1990 machte unsere Lichtenberger Klasse noch eine Abschlussfahrt in die CSSR. Wir saßen dort in einer verrumpelten Kneipe, umhüllt von Zigarettenrauch, und sahen im Fernsehen, wie die D-Mark nach Ost-Berlin kam, wie unsere Landsleute die Sparkassen stürmten. Kurze Zeit später verabschiedeten wir uns voneinander und gingen los. Jeder in seine Richtung. Wir hatten den gleichen Startpunkt, wir kannten uns in einer anderen Gesellschaftsordnung.</p>
<p>Manche gingen anschließend nach Westen, weil dort die Zukunft zu liegen schien, manche suchten den Weg im Osten, der ihnen vertrauter war. Vielleicht sind wir ja trotzdem alle irgendwo angekommen in den vergangenen fast 20 Jahren.</p>
<p>Die Frage ist, wo das sein könnte.</p>
<p>[...]</p>
<p><a title="Volltext auf SPIEGEL ONLINE" href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-67398822.html">[weiter auf SPIEGEL ONLINE]</a></p>
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		<title>Joan Baez: How Sweet the Sound</title>
		<link>http://frankenschulz.de/blog/2009/10/18/joan-baez-how-sweet-the-sound/</link>
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		<pubDate>Sun, 18 Oct 2009 18:09:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frankenschulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Watch the FULL EPISODE online at PBS beginning October 15, 2009 through December 10, 2009:

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Watch the <a href="http://www.pbs.org/wnet/americanmasters/episodes/joan-baez/how-sweet-the-sound/1185/">FULL EPISODE</a> online at PBS beginning October 15, 2009 through December 10, 2009:</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="514" height="307" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="bgcolor" value="#ffffff" /><param name="src" value="http://player.theplatform.com/ps/player/pds/kj-5OcNN0M&amp;pid=J2fmGFAYQhJlFw55EGOngZ564eY6SaCU" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="514" height="307" src="http://player.theplatform.com/ps/player/pds/kj-5OcNN0M&amp;pid=J2fmGFAYQhJlFw55EGOngZ564eY6SaCU" allowfullscreen="true" bgcolor="#ffffff"></embed></object></p>
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		<title>Mercedes Sosa &#8230;que descanse en paz!</title>
		<link>http://frankenschulz.de/blog/2009/10/06/mercedes-sosa-que-descanse-en-paz/</link>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 12:06:18 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Mercedes Sosa (1935-2009)
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a title="wikipedia" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Mercedes_Sosa">Mercedes Sosa</a> (1935-2009)</p>
<p><a href="http://frankenschulz.de/blog/2009/10/06/mercedes-sosa-que-descanse-en-paz/"><em>Click here to view the embedded video.</em></a></p>
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		<title>Bruce Springsteen: Wrecking Ball</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Oct 2009 16:11:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frankenschulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hard times come, and hard times go&#8230; New song! Giants Stadium, 2009-10-02.
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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Hard times come, and hard times go&#8230;</em> New song! Giants Stadium, 2009-10-02.</p>
<p><a href="http://frankenschulz.de/blog/2009/10/04/bruce-springsteen-wrecking-ball/"><em>Click here to view the embedded video.</em></a></p>
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		<title>Kris Kristofferson: Closer To The Bone</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Sep 2009 22:51:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frankenschulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Grammy Award-winning music legend Kris Kristofferson opens his latest release with the title track “Closer To The Bone,” an intense, intimate song which the Los Angeles Times describes as “a celebration of that point in life where every moment becomes precious.” The record continues with 11 poignant tracks. Closer To The Bone, his second release [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://frankenschulz.de/blog/2009/09/30/kris-kristofferson-closer-to-the-bone/"><em>Click here to view the embedded video.</em></a></p>
<p>Grammy Award-winning music legend <a href="http://www.kriskristofferson.com/">Kris Kristofferson</a> opens his latest release with the title track “Closer To The Bone,” an intense, intimate song which the Los Angeles Times describes as “a celebration of that point in life where every moment becomes precious.” The record continues with 11 poignant tracks. Closer To The Bone, his second release with New West Records, is scheduled for release on September 29, 2009. The new record was produced by Grammy Award winning producer Don Was (Rolling Stones, Bob Dylan, Bonnie Raitt) who also produced Kristofferson’s last CD, the critically acclaimed This Old Road. Closer To The Bone will be released as a standard CD, deluxe two-CD set as well as limited edition 180 gram vinyl.</p>
<p>The personal lyrics on Closer To The Bone are a reflection of Kristofferson’s epic journey. “I like the intimacy of the new album” he explains in a recent interview. “It has a general mood of reflecting on where we all are at this end of life.” In addition to the title track, other stand out cuts include “From Here To Forever,” a melancholy lullaby to his children, and “Good Morning John,” written for Kristofferson’s friend and mentor, the late Johnny Cash, about the struggles with addiction early in Cash’s life.</p>
<p>Closer To The Bone features Kristofferson on vocals, guitar and harmonica, Don Was on bass, Rami Jaffee on keyboards, Jim Keltner on drums and longtime friend, the late Stephen Bruton, to whom the album is dedicated, on guitar, mandolin and backing vocals.  All lyrics and music were written solely by Kristofferson except “From Here To Forever” which was written in collaboration with Stephen Bruton and Glen Clark.</p>
<p>[New West Records]</p>
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		<title>Happy Birthday, Bruce!</title>
		<link>http://frankenschulz.de/blog/2009/09/22/happy-birthday-bruce-2/</link>
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		<pubDate>Tue, 22 Sep 2009 20:23:36 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[The only Boss I listen to:
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			<content:encoded><![CDATA[<p>The only Boss I listen to:</p>
<object type="application/x-shockwave-flash" data="http://www.youtube.com/v/-PTJHhUeAfc" width="425" height="350"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/-PTJHhUeAfc" /></object>
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		<title>Feigheit vor dem Volk</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Sep 2009 09:47:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frankenschulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[[DER SPIEGEL 32/2009]
Wider den verlogenen Menschenrechts-Bellizismus
von Richard David Precht
Was ein Krieg ist, definiert der Verteidigungsminister. Dieser Satz steht zwar nicht in der Verfassung, aber er gilt trotzdem. Ein &#8220;Stabilisierungseinsatz&#8221; und &#8220;kein Krieg&#8221; sei das, was die Bundeswehr in Afghanistan treibe, erklärte Franz Josef Jung. Ergänzt um den verblüffenden Nachsatz, dass es schon deshalb kein Krieg [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=66284736">[DER SPIEGEL 32/2009]</a></p>
<p><strong>Wider den verlogenen Menschenrechts-Bellizismus</strong></p>
<p>von Richard David Precht</p>
<p>Was ein Krieg ist, definiert der Verteidigungsminister. Dieser Satz steht zwar nicht in der Verfassung, aber er gilt trotzdem. Ein &#8220;Stabilisierungseinsatz&#8221; und &#8220;kein Krieg&#8221; sei das, was die Bundeswehr in Afghanistan treibe, erklärte Franz Josef Jung. Ergänzt um den verblüffenden Nachsatz, dass es schon deshalb kein Krieg sei, weil dies der Sprachgebrauch der Taliban sei. Diese wiederum seien keine Krieger, sondern Terroristen.</p>
<p>Drei Sätze benötigte der Verteidigungsminister, um die deutsche Sprache weit hinter die Gebrüder Grimm zurückzuwerfen. Hin zu einer privaten Semantik, in der Krieger keine Terroristen und Terroristen folglich auch keine Krieger sein können. Hin auch zu einer Begriffswolke namens &#8220;Stabilisierungseinsatz&#8221;, die ihren Ehrenplatz im Wörterbuch der militärischen Verdummungsvokabeln findet. Worte wie diese signalisieren nur eins: Feigheit vor dem eigenen Volk.</p>
<p>Worum es beim Stabilisierungseinsatz gegen die Nicht-Krieger der Taliban gehen soll, erklärt weniger zaghaft Jungs Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan: &#8220;Es ist jetzt an der Zeit, diese Eskalation vorzunehmen.&#8221; Das Wort Krieg fällt auch bei ihm nicht. Kein Wunder, denn seit der Amtsübernahme von US-Präsident Barack Obama gibt es keinen Krieg gegen den Terrorismus mehr. Der Begriff verschwand im Giftschrank der Außenpolitik, ersetzt durch &#8220;Overseas Contingency Operation&#8221;, also so etwas wie &#8220;Krisenfallmaßnahme in Übersee&#8221;, gemeint ist unter anderem Afghanistan. &#8220;Politische Sprache ist dazu geschaffen, Lügen wahrhaft und Mord respektabel klingen zu lassen&#8221;, meinte einst George Orwell. Und nur der amerikanische Präsident und der deutsche Verteidigungsminister dürfen definieren, was ein Krieg ist, nicht aber ein paar hergelaufene Afghanen, denen man bis vor einem halben Jahr noch Menschenrechte bescheren wollte.<br />
<span id="more-487"></span><br />
Von diesem hehren Vorhaben freilich ist von Seiten der USA heute nicht mehr die Rede. Fast unmerklich hat der Hoffnungsträger Obama den politischen Kitsch seines Vorgängers durch eine Prosa der Realpolitik ersetzt. Statt Freiheitsbotschaft und Menschenrechts-Bellizismus gegenüber demokratieresistenten Stammeskriegern geht es nun nur noch um das Gleichgewicht des Schreckens zwischen konkurrierenden Warlords, fanatischen Taliban und der kleptokratischen Stammesclique des Kabuler Präsidenten Karzai. Ruhe, nicht Frieden und Freiheit, ist das Ziel der neuen amerikanischen Regierung. Ruhe für eine ungefährdete militärische Dauerpräsenz auf jenem &#8220;unsinkbaren Flugzeugträger&#8221;, von dem der afghanische Politologe Matin Baraki spricht, zwischen Pakistan, Turkmenistan und Iran im geostrategisch so wichtigen Afghanistan. Und Ruhe vielleicht für die längst geplante Öl- und Gaspipeline, deren Bau noch immer in den Stars und Stripes liegt.</p>
<p>Mit Deutschland haben all diese Dinge naturgegeben nichts zu tun. Und nur die politischen Kapriolen im Vorfeld des letzten Irak-Krieges erklären, warum heute deutsche Soldaten im Norden Afghanistans eine Eskalation vornehmen sollen. &#8220;Deutschlands Sicherheit&#8221; werde &#8220;am Hindukusch verteidigt&#8221;, flüchtete sich der damalige Verteidigungsminister Peter Struck in eine Lüge, um sich erfolgreich vor dem Krieg im Irak zu drücken. Gerhard Schröders Wiederwahl heiligte das Mittel. Doch wusste Struck tatsächlich nicht, welch fürchterliche rhetorische Anleihe er da gemacht hatte? Eine Anleihe an die unsägliche Redewendung der sechziger Jahre, in Saigon werde die Freiheit Berlins verteidigt? Bei jenem Satz, der dazu herhielt, die Chemie- und Biowaffeneinsätze, das Brandgas und Dioxin gegen die vietnamesische Zivilbevölkerung zu rechtfertigen? Ein Satz, frei von Logik und Konsequenz überdies, denn wenn er zuträfe: Wer verteidigt dann Deutschlands Sicherheit in Teheran? Wer verteidigt sie in Pjöngjang?</p>
<p>Tatsächlich aber muss Deutschlands Sicherheit wohl in Berlin verteidigt werden, gegen diejenigen, die die Bundesrepublik durch ihre Afghanistan-Abenteuer fahrlässig zur Zielscheibe von Terroristen machen. In Wahrheit glaubt vermutlich auch längst kein Mitglied der Bundesregierung, dass es &#8211; erstens &#8211; jemals gelingt, einer ubiquitären Organisation wie al-Qaida an einem einzigen lokalen Schauplatz das Handwerk zu legen. Dass es, zweitens, möglich sein kann, die Taliban durch militärische Mittel zur Aufgabe ihres Fanatismus zu bewegen; dass, drittens, Afghanistan ein geeignetes Experimentierfeld dafür ist, eine mittelalterliche Gesellschaft in eine freiheitliche Demokratie zu verwandeln; und dass, viertens, die Bundeswehr die Warlords vom Wert der Menschen-, speziell der Frauenrechte überzeugt.</p>
<p>Keine deutsch-amerikanische Freundschaft rechtfertigt dauerhaft einen militärisch perspektivlosen Einsatz. Und nur die mangelnde Courage der Bundesregierung gegenüber den USA erklärt das Fortwursteln. Mag sein, dass die Bundeswehr am Hindukusch einigen Menschen das Leben gerettet, ein paar Straßen friedlich gemacht und ein paar Frauen und Schulkindern das Leben erleichtert hat &#8211; aber all diese feinen Dinge könnte man mit gleichem Recht auch in Somalia tun, im Kongo oder in Ruanda. Einsatzorte für gute Taten gibt es überall. Aber nicht die USA gäben dabei die Marschroute vor, sondern Amnesty International.</p>
<p>Es gibt Menschen, denen sogenannte Realpolitik, Bündnistreue und wirtschaftliche Interessen wichtiger sind als Idealismus und Moral. Sie haben ihre Gründe, das von ihnen gern so genannte &#8220;Engagement&#8221; der Bundeswehr in Afghanistan zu verteidigen. Für alle anderen aber dürfte gelten, was Martin Walser in seinem offenen Brief an Angela Merkel schrieb: dass der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan moralisch unerträglich geworden ist. Wie denkbar knapp wurde beim Jugoslawien-Krieg die eherne Grenze überschritten, die Bundeswehr nie mehr an Kampfhandlungen im Ausland zu beteiligen &#8211; und mit wie viel Skrupeln wurde dieser Einsatz überwacht. In Afghanistan dagegen treiben wir inzwischen Schindluder mit unserer neuen Lizenz zum Töten. Wir verwischen en passant die Grenze zwischen Verteidigung und Angriff und führen einen Krieg, zu dem wir gemäß der UN-Resolution 1386 keinerlei Mandat haben. Allein die &#8220;Unterstützung&#8221; des in Wahrheit gar nicht vorhandenen, sondern rein fiktiven afghanischen Staates ist uns gestattet, nicht aber eine Eskalation.</p>
<p>Deutschland verteidigt am Hindukusch nicht seine Sicherheit, sondern es verstößt gegen das Völkerrecht. Geboten wäre ein Aufstand der Intellektuellen dieses Landes gegen den Dammbruch. Geboten wäre ein Appell, gestützt durch die Mehrheit der Bevölkerung, der unserer Regierung Mut machte, nicht weiterhin sinnlos Milliarden zu verschleudern und Soldaten in den Tod zu schicken. Und geboten wäre auch ein klares Wort zum Eiertanz der Grünen, die heute eine &#8220;zivile Offensive&#8221; in Afghanistan fordern. Gemeint ist, die afghanische Polizei und die Sicherheitskräfte zu stärken. Aber woher nehmen? Es gibt keine zuverlässige staatstreue Polizei in diesem Land &#8211; es gibt ja im Grunde noch nicht einmal einen Staat. Die Sicherheitskräfte in Afghanistan sind unterbezahlt und im Zweifelsfall immer Diener mehrerer Herren. Der Aufbau einer zivilen Sicherheitsmacht, die es in der Geschichte landesweit noch nie gab, dauert Jahrzehnte, wenn nicht ein Jahrhundert. Wie lange wollen Claudia Roth und Cem Özdemir deutsche Soldaten in Afghanistan stationieren?</p>
<p>Sicher, es ist nicht leicht, sich von der Utopie zu befreien. Der Kampf für die Menschenrechte in aller Welt ist die Blaue Blume der linken Romantik. Und das größte Wunder der Erde ist der Wunderglaube ihrer Bewohner, besonders der Linken. Aber selbst wenn Deutschland hunderttausend Soldaten nach Afghanistan schickte, dazu Lehrer und Kindergärtner, Polit-Profis, Poeten, Propheten und Professoren, wenn wir jeden bärtigen Krieger, dessen wir habhaft werden können, in ein Ent-Talibanisierungslager schicken und ihm Röpke und Eucken erklären, Habermas und Dahrendorf vorlesen &#8211; selbst dann wären die Erfolgsaussichten gering.</p>
<p>Der Fehler des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan liegt nicht allein in der praktischen Undurchführbarkeit. Er steckt bereits in der philosophischen Theorie. Seit der griechischen Antike inspiriert der Gedanke, dass es eine richtige Art zu leben gebe, den moralischen Idealismus westlicher Prägung. Die Dummen, die Ungebildeten und die moralisch Verirrten müssen mit allen in der Macht der Durchblicker stehenden gesellschaftlichen Mitteln dazu gebracht werden, auf Linie zu kommen. Dieser Idealismus fordert Unterwerfung unter die Idee des Guten, der Tugend, mithin unter die westliche Wertegemeinschaft. &#8220;Wenn wir das freie Denken in der Chemie oder der Biologie nicht gestatten, warum sollen wir es dann in der Moral oder der Politik zulassen?&#8221;, argumentierte der französische Philosoph Auguste Comte im 19. Jahrhundert. Und warum sollen wir die Taliban Taliban sein lassen, fragt sich heute der weltverbessernde deutsche Politiker.</p>
<p>Die pazifistische Internationale der Guten, wie sie sich auf der Haager Friedenskonferenz von 1899 versammelte, ist heute eine militärische Internationale. Doch was in Jugoslawien sinnvoll war, gilt nicht in Kunduz und in Kandahar. Der Vergleich mit der Befreiung Deutschlands von der Nazi-Herrschaft, die den Nazi auch nicht Nazi sein ließ, bringt es an den Tag. Im Unterschied zu Afghanistan heute wurden zumindest Briten und Amerikaner tatsächlich von einer Mehrheit der Befreiten schnell als &#8220;Befreier&#8221; empfunden. In Afghanistan dagegen sieht die Bevölkerungsmehrheit in den ausländischen Besatzern das, was sie auch tatsächlich sind: mehr oder weniger freundliche Invasoren. Und einen Holocaust gibt es am Hindukusch auch nicht.</p>
<p>Die Welt ist näher zusammengerückt in den letzten Jahrzehnten, ohne Zweifel. Aber die Grenzen der Kulturen sind noch immer die Grenzen auch des militärischen Humanismus. Wer sie zu schnell überschreitet, macht aus willkommener Aufklärung kontraproduktiven Kolonialismus. Es mag nicht leicht sein, sich dies einzugestehen. Kant kommt nicht bis Kunduz, jedenfalls nicht durch Waffen und Soldaten. Den dauerhaften ideologischen Sieg über Nazi-Deutschland erzielten die westlichen Besatzungsmächte ja auch nicht durch ihre Panzer, sondern durch die Einführung von Nylonstrümpfen, Jazzmusik, Kaugummi, Jeans, Hollywood und Coca-Cola. Die Voraussetzungen dafür waren günstig, schließlich gehörte man weitgehend zur gleichen Kultur.</p>
<p>Mehr als Drei Viertel der Welt hat man inzwischen erfolgreich mit dieser Kultur unterwandert. Aber erst wenn die Soldaten verschwinden, wird der American Way of Life, die erfolgreichste Massenvernichtungswaffe des 20. Jahrhunderts, auch in den Hochburgen der Fundamentalisten erfolgreich zünden. Früher oder später, so viel Vertrauen in deren Sprengkraft muss sein, erwischt es wohl auch die Afghanen und die Iraner sowieso. Aufklärung geschieht durch Kultur, nicht durch Tornados. Und Demokratie schießt man nicht in die Herzen von Menschen, die davon nichts wissen. Die Internationale in Afghanistan erkämpft kein Menschenrecht.</p>
<p>Die Kanzlerin müsse der Bevölkerung &#8220;endlich erläutern, warum unsere Soldaten überhaupt am Hindukusch sind und wie lange sie noch bleiben müssen&#8221;, hat Cem Özdemir gefordert. Könnte er es erklären? Und wüsste er, wie lange sie noch bleiben müssen? Bis auch er verstanden hat, dass es nicht mehr sinnvoll ist, deutsche Soldaten für den militärischen Humanismus in einen fernen Krieg zu schicken? Bis man aufgehört hat, sich aus Feigheit wegzuducken? So lange schließlich, bis man sich in der parteiübergreifenden Koalition des schlechten Gewissens nicht weiter verspricht, den Krieg aus dem Wahlkampf herauszuhalten?</p>
<p>Nach fast acht Jahren Bundeswehreinsatz in Afghanistan sind die Taliban nicht besiegt, die Menschenrechte werden überall missachtet, von Freiheit ist keine Rede mehr. Niemand kann das der Bundeswehr anlasten. Aber auch niemand wird damit ihren Verbleib rechtfertigen können. Immerhin: Die blühenden Landschaften sind Realität geworden. Von Norden bis Süden und von Osten bis Westen leuchten Mohnfelder für den Ertrag von Opium. Die Gegenwart in Afghanistan ist nicht grün, sondern violett.</p>
<p><em>Precht, 44, ist Philosoph und lebt in Köln. Seine Bücher &#8220;Wer bin ich &#8211; und wenn ja, wie viele?&#8221; und &#8220;Liebe &#8211; ein unordentliches Gefühl&#8221; sind Bestseller.</em></p>
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		<title>Unter deutschen Dächern: Berlin Prenzlauer Berg</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Sep 2009 19:03:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frankenschulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die neue Elite vom Prenzlauer Berg
Online in der ARD-Mediathek bis 08.09.2009:
Wie kein anderes Viertel in Deutschland wurde der Prenzlauer Berg in den vergangenen 20 Jahren umgekrempelt. Aus dem ehemaligen Arbeiterviertel im Berliner Osten ist ein boomender Kiez geworden. Nach der Wende wurde der Prenzlauer Berg zu Europas größtem Sanierungsgebiet: verfallene Altbauten wurden mit massiven Steuergeldern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die neue Elite vom Prenzlauer Berg</strong></p>
<p><a href="http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/2927784?pageId=&#038;moduleId=799280&#038;categoryId=&#038;goto=1&#038;show=">Online in der ARD-Mediathek</a> bis 08.09.2009:</p>
<p>Wie kein anderes Viertel in Deutschland wurde der Prenzlauer Berg in den vergangenen 20 Jahren umgekrempelt. Aus dem ehemaligen Arbeiterviertel im Berliner Osten ist ein boomender Kiez geworden. Nach der Wende wurde der Prenzlauer Berg zu Europas größtem Sanierungsgebiet: verfallene Altbauten wurden mit massiven Steuergeldern in wenigen Jahren in schick renovierte Fassaden verwandelt. Nirgendwo verlief der Aufbau Ost schneller und drastischer. Innerhalb weniger Jahre wurde die Bevölkerung fast komplett ausgetauscht. Junge Studenten aus dem Westen verdrängten die alten Bewohner, seitdem ist es schick hier zu wohnen. Doch das hat seinen Preis: mit der Sanierung stiegen die Mieten, es folgten teure Läden und zahllose Straßencafés für die neue Schickeria.</p>
<p><a href="http://www.daserste.de/doku/beitrag_dyn~uid,2izivt0y72s3kyha~cm.asp">[Quelle: RB]</a></p>
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