<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>frankenschulz.de :: blog &#187; Politics</title>
	<atom:link href="http://frankenschulz.de/blog/category/politics/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://frankenschulz.de/blog</link>
	<description>supplementary weblog to frankenschulz.de</description>
	<lastBuildDate>Mon, 05 Sep 2011 18:55:28 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.1.4</generator>
		<item>
		<title>Der letzte Wille</title>
		<link>http://frankenschulz.de/blog/2010/11/11/der-letzte-wille/</link>
		<comments>http://frankenschulz.de/blog/2010/11/11/der-letzte-wille/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 11 Nov 2010 15:14:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frankenschulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politics]]></category>
		<category><![CDATA[Ostdeutschland]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://frankenschulz.de/blog/?p=561</guid>
		<description><![CDATA[Nachtrag zum &#8216;Jubel&#8217;äum 20 Jahre deutsche Wiedervereinigung&#8230; [DER SPIEGEL 41/2010] Der letzte Wille Von Wiebke Hollersen Einen Tag vor dem Ende der DDR schreiben Schüler einer Ost-Berliner Oberschule Briefe an sich selbst. Es geht darin um ihre Erwartungen an das neue Leben. 20 Jahre später öffnen sie die Briefe bei einem Klassentreffen. Der Umschlag ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachtrag zum &#8216;Jubel&#8217;äum 20 Jahre deutsche Wiedervereinigung&#8230;</p>
<p><a title="Volltext auf SPIEGEL ONLINE" href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-74184478.html">[DER SPIEGEL 41/2010]</a></p>
<p><strong>Der letzte Wille</strong><br />
Von Wiebke Hollersen</p>
<p><em>Einen Tag vor dem Ende der DDR schreiben Schüler einer Ost-Berliner Oberschule Briefe an sich selbst. Es geht darin um ihre Erwartungen an das neue Leben. 20 Jahre später öffnen sie die Briefe bei einem Klassentreffen.</em></p>
<p><img class="image" src="http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=74184478&amp;aref=image044/2010/10/09/CO-SP-2010-041-0066-02-GR.JPG&amp;thumb=false" alt="" width="230" />Der Umschlag ist aus braunem Papier, das weich geworden ist mit der Zeit. Vielleicht war es auch immer schon weich, nie so fest, wie das Papier von Briefumschlägen im Westen. Er ist nicht zugeklebt, nur zugesteckt, eine Schatzkiste ohne Schloss, er liegt auf dem Tisch, um den wir sitzen, vor einem Café in Berlin, Prenzlauer Berg.</p>
<p>Wir sind hier, um diesen Umschlag zu öffnen, gemeinsam, so wie wir es vor 20 Jahren verabredet haben.</p>
<p>In dem Umschlag stecken Briefe aus einem Land, das es nicht mehr gibt. Wir haben sie selbst geschrieben, am letzten Tag dieses Landes, &#8220;2./3. Oktober 1990&#8243; steht auf dem braunem Papier, das Datum der Nacht, in der die DDR verschwand. Was in den Briefen steht, haben wir vergessen.</p>
<p>Frau Lindemann, unsere Deutschlehrerin, hat den Umschlag vor 20 Jahren verschlossen, nun öffnet sie ihn, zieht die Briefe heraus, kariertes Papier, liniertes Papier, sie liegen auf dem Tisch wie eine vergessene Klassenarbeit.</p>
<p>Am 2. Oktober 1990, in unserer letzten Schulstunde in der DDR, hatte Frau Lindemann uns gefragt: Wie wäre es, wenn ihr eure Gedanken aufschreibt?</p>
<p>Christiane Lindemann hatte vom Direktor einen Auftrag für diese Stunde bekommen, so wie alle Lehrer der Schule, der Auftrag lautete: &#8220;Würdigen Sie mit den Schülern den Beitritt.&#8221;</p>
<p>Es war laut, als sie in unser Klassenzimmer kam, so wie immer, aber etwas war anders als sonst. Wir saßen in schwarzer Kleidung in den Bänken, fast alle 19 Schüler, die an diesem Tag gekommen waren. Einen Tag zuvor hatten wir das abgesprochen. Die DDR würde verschwinden, wir konnten nichts mehr dagegen tun, nur noch zeigen, dass wir traurig waren.</p>
<p>Seit einem Monat gingen wir in die zehnte Klasse der 2. Oberschule Prenzlauer Berg, wir waren 15, einige auch schon 16, und das aufregendste Jahr unseres Lebens lag hinter uns. Ein Jahr, in dem die alten Regeln nicht mehr galten und die neuen lange nicht feststanden.</p>
<p>Wie geht es euch, was denkt ihr über die Einheit, über das neue Land, Deutschland? Schreibt das auf, sagte Frau Lindemann. Sie versprach, dass sie die Texte nicht lesen, sondern aufbewahren würde. Fünf Jahre, dann könnten wir sie gemeinsam lesen, bei einem Klassentreffen. Es gibt eine Bedingung, sagte sie: Wer schreibt, soll ehrlich schreiben.</p>
<p><span id="more-561"></span>Es wurde still im Klassenzimmer, wir schauten einander nicht an, aber wir fingen an zu schreiben, einer nach dem anderen, rissen die Blätter aus unseren Blöcken, gingen zum Lehrertisch und steckten sie in den Umschlag, der dort lag.</p>
<p>Frau Lindemann klebte ihn nicht zu, wir wollten das nicht, wir wussten, sie würde ihr Wort halten. Sie nahm den Umschlag mit nach Hause und packte ihn in eine Tasche, die Tasche stellte sie in einen Schrank.</p>
<p>Dort lag der Umschlag, umschloss die Briefe mit unseren letzten, echten DDR-Gefühlen. Wie eine dieser Zeitkapseln, in die man eine Tageszeitung, Münzen und Fotos legt. Die man in Beton gießt, unter der Erde, über die man ein Haus baut, unten liegt die Vergangenheit, oben läuft das Leben weiter.</p>
<p>Wir müssen ausgesehen haben wie auf dem Weg zu einer Beerdigung, in unseren schwarzen Hosen und Pullovern, als wir die Schule nach der Stunde verließen. Es ist schwer, sich das vorzustellen, an einem sonnigen Tag, 20 Jahre danach. Es gibt kein Bild von dieser Stunde, auch in unseren Köpfen nicht mehr, nur noch Erinnerungsfetzen.</p>
<p>Wir sind 35 oder 36 Jahre alt, auf dem Tisch liegen die Fotos von den Kindern, die wir mal waren, und von denen, die wir bekommen haben. Wie das so ist bei Klassentreffen. Nur dass unsere Fotos in zwei verschiedenen Zeiten aufgenommen wurden, vor der Wende, nach der Wende, den Zeiten, in die das Leben im Osten zerfällt.</p>
<p>Mir fällt es immer schwerer, die beiden Zeiten zusammenzubringen. Mitten im Jubiläumsjahr, zwischen all den Zeitungsartikeln, Büchern, Sonderausstellungen, versickert meine Erinnerung an die DDR. Das Gedenkbild passt nicht zu den Bildern, die ich selbst noch habe.</p>
<p>Ich schaue die neue ARD-Familienserie &#8220;Weißensee&#8221;, in der sich der Sohn eines Stasi-Generals in die Tochter einer Dissidentin verliebt. Die Serie spielt in Ost-Berlin in den achtziger Jahren, in der Stadt, in der ich aufgewachsen bin, aber ich erkenne sie nicht. Die Fernsehbilder erscheinen mir zu bunt. In meiner Erinnerung ist Ost-Berlin inzwischen grau. Grau und trist war die DDR, ich habe das so oft gehört, bis die Farbe aus meiner Erinnerung gelaufen ist. Ich kannte auch keine Stasi-Generäle und keine echten Dissidenten. Die einzigen Figuren, die wohl am Ende übrig bleiben werden, nach noch einmal 20 Jahren Gedenken.</p>
<p>Jemand hat eine Mappe aus rotem Kunstleder zu unserem Treffen mitgebracht, auf der &#8220;Brigadetagebuch&#8221; steht, in die schrieben wir Berichte von Pioniernachmittagen und Klassenfahrten. Unser Klassenbuch, es könnte in einem DDR-Museum liegen, als Ausstellungsstück zum Thema Kindheit in der Diktatur. Nachdem ich es gelesen habe, kann ich sagen, dass wir häufig Würstchen aßen und uns bei Ausflügen verliefen. Im Februar feierten wir Fasching, am 1. Mai gingen wir zur Kampfdemonstration.</p>
<p>Als wir uns nach 20 Jahren zum ersten Mal wieder treffen, tragen die Frauen Sommerkleider, die Männer helle Hemden. Die meisten aus der alten Klasse wohnen noch in Berlin, viele noch in Prenzlauer Berg.</p>
<p>Katharina sitzt neben Frau Lindemann, sie nimmt die Briefe, verteilt sie am Tisch. Katharina ist Schauspielerin geworden, sie fragt: &#8220;Liest jeder seinen laut vor?&#8221; Wir schütteln die Köpfe. Julia, die ihr gegenübersitzt, schlägt vor, die Briefe später um den Tisch gehen zu lassen. Julia war die Einzige aus unserer Klasse, die nie bei den Pionieren und in der FDJ war, ihre älteste Tochter ist 15, so alt, wie wir damals waren. Stefan, am anderen Ende vom Tisch, nickt, er ist einer der wenigen, die nicht Schwarz trugen am letzten Tag der DDR, er ist aus Leipzig zum Klassentreffen gekommen.</p>
<p>Die Jugendlichen, die wir mal waren, sind uns fremd geworden, vielleicht sind sie uns inzwischen auch peinlich. Wir nähern uns ihnen vorsichtig.</p>
<p>&#8220;Ich bin heute in schwarzer Kleidung angekommen, weil ich dadurch meine Einstellung bzw. Gefühle äußern möchte. Ich habe ungefähr 15 1/2 Jahre in der DDR gelebt, und obwohl wir keinen richtigen Sozialismus hatten, fühlte ich mich in diesem Staat sicher&#8221;, schrieb Doreen.</p>
<p>&#8220;Ich fühle mich nicht gut, Traurigkeit, Ängstlichkeit überwiegen. Ich habe mir den Abgang oder das Ende der DDR etwas anders vorgestellt, als diesen Beitritt. Vielleicht eine andere DDR?&#8221;, stand im Brief von Tamara.</p>
<p>&#8220;Mal ist mir zum weinen zu Mute, mal nehme ich alles sehr leicht. Aber in jedem Fall bedrückt mich die momentane Situation doch sehr, weil es mir einfach widerstrebt, mich einzugliedern und anzupassen, ohne auch nur das geringste einbringen zu können&#8221;, schrieb Katja.</p>
<p>Die Schule, auf die wir gingen, lag in einem Neubaugebiet hinter der Greifswalder Straße, das gerade noch zu Prenzlauer Berg gehörte. Sie hieß nach Anton Saefkow, einem Kommunisten, den die Nazis ermordet hatten, wir lernten an ihr seit der dritten Klasse Russisch und waren den Kindern von anderen Schulen damit um zwei Jahre voraus. Auch in der DDR, dem Land der Einheitsschule, waren Eltern froh, wenn ihre Kinder an Schulen kamen, die weniger einheitlich waren.</p>
<p>[...]</p>
<p><a title="Volltext auf SPIEGEL ONLINE" href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-74184478.html">[weiter auf SPIEGEL ONLINE]</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://frankenschulz.de/blog/2010/11/11/der-letzte-wille/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Alleskönner</title>
		<link>http://frankenschulz.de/blog/2010/10/26/die-alleskonner/</link>
		<comments>http://frankenschulz.de/blog/2010/10/26/die-alleskonner/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 26 Oct 2010 14:01:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frankenschulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politics]]></category>
		<category><![CDATA[Random]]></category>
		<category><![CDATA[article]]></category>
		<category><![CDATA[science]]></category>
		<category><![CDATA[SZ]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://frankenschulz.de/blog/?p=552</guid>
		<description><![CDATA[[Süddeutsche Zeitung vom 23.10.2010, V2/9] Die Alleskönner von Marlene Weiss Physiker gelten als Vorzeige-Generalisten. Nur ein Viertel von ihnen arbeitet im angestammten Beruf &#8211; doch auch die anderen haben Erfolg Oliver Plohl mag seine Arbeit &#8211; sehr sogar. Bei einem Münchner Unternehmen entwickelt er Modelle, die Banken verwenden, um Kreditausfallrisiken einzuschätzen. &#8220;Damit habe ich es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>[Süddeutsche Zeitung vom 23.10.2010, V2/9]</p>
<p><strong>Die Alleskönner</strong><br />
von Marlene Weiss</p>
<p><em>Physiker gelten als Vorzeige-Generalisten. Nur ein Viertel von ihnen arbeitet im angestammten Beruf &#8211; doch auch die anderen haben Erfolg</em></p>
<p>Oliver Plohl mag seine Arbeit &#8211; sehr sogar. Bei einem Münchner Unternehmen entwickelt er Modelle, die Banken verwenden, um Kreditausfallrisiken einzuschätzen. &#8220;Damit habe ich es perfekt getroffen&#8221;, sagt der 34-Jährige. &#8220;Das ist quasi VWL-Grundlagenforschung, das macht mir Spaß.&#8221; Enzyklopädisches Wirtschaftswissen braucht er nicht für seine Tätigkeit, aber Sinn für Zahlen, solide Programmierkenntnisse und die Fähigkeit, sich schnell in neue Gebiete einzuarbeiten. Daher findet er, dass sein Job gut zu seiner Ausbildung passt: Als Physiker hat er das schließlich gelernt. Auch wenn es nicht jeder so glücklich trifft: Solche Karrieren sind unter Physik- Absolventen nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall. Laut einer aktuellen Studie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) arbeiten 75 Prozent aller Physiker nicht in ihrem Fach &#8211; und sind oft dennoch durchaus erfolgreich. &#8220;Physiker landen überall; oft in Versicherungen, in der Finanzbranche oder in Ingenieurbüros&#8221;, sagt Lutz Schröter von der DPG.</p>
<p>Auch Schröter selbst ist es so ergangen: Der promovierte Physiker arbeitet hauptberuflich bei Volkswagen im Controlling. Unter seinen Kollegen sind viele Physiker, sie arbeiten Seite an Seite mit den Ingenieuren. Ein Physiker sei dabei eher für die Grundlagen zuständig, während ein Ingenieur oft Pragmatiker sei: &#8220;Beide zusammen machen ein gutes Team aus&#8221;, sagt Schröter.</p>
<p><img class="image" title="Berufe" src="http://frankenschulz.de/blog/images/die-alleskoenner.jpg" alt="" width="230" height="319" />Auch wegen ihrer vielseitigen Einsetzbarkeit sind die Chancen für Physiker auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor gut. Die DPG geht davon aus, dass jährlich branchenübergreifend etwa 4900 Stellen frei werden, für die auch Physiker infrage kommen. Und der spezifische Bedarf an Physikern soll noch steigen, bis 2028 voraussichtlich von derzeit 2500 auf 3600 im Jahr. Auch die Gehaltsaussichten sind erfreulich. Zehn Jahre nach dem Examen verdienten Absolventen des Jahrgangs 1997 durchschnittlich 71 600 Euro im Jahr, 7300 Euro mehr als der akademische Durchschnitt.</p>
<p>Schon als Oliver Plohl sein Physikstudium begann, sah er sich nicht zwangsläufig bis zur Rente im Labor stehen. &#8220;Ich bin davon ausgegangen, dass ich damit auch einen anderen Job ausüben kann&#8221;, sagt er. Und spätestens gegen Ende des Studiums war er sicher, dass er lieber in der Wirtschaft als in der reinen Forschung arbeiten wollte.<span id="more-552"></span></p>
<p>Trotzdem machte er nach dem Diplom noch eine Doktorarbeit, auch, um noch einige Jahre von der Unabhängigkeit in der akademischen Welt zu profitieren. Damit ist es jetzt vorbei; er hat weniger Freiheit und nicht mehr unbegrenzt Zeit, um an der perfekten Lösung für eine Fragestellung zu feilen. Aber Plohl gefällt das &#8211; schließlich kommen so auch schneller Ergebnisse heraus.</p>
<p>Es gibt jedoch auch Physiker, die an dieser Umstellung scheitern. &#8220;Wir haben schon erlebt, dass Wissenschaftler diesen Kulturschock nicht verkraften, das ist eine Typfrage&#8221;, sagt Egbert Schark, Geschäftsführer und Mitgründer bei der Unternehmensberatung D-Fine in Frankfurt. Die naturwissenschaftliche Prägung ist ein Markenzeichen des Unternehmens: 80 Prozent der etwa 300 Berater bei D-Fine sind Physiker oder Mathematiker &#8211; auch Schark selbst hat am Genfer Forschungszentrum Cern und in Mainz in Atomphysik promoviert.</p>
<p>An Physikern schätzt Schark, dass sie technisches Verständnis und analytisches Denken mitbringen, das nötige Fachwissen eigneten sie sich meist schnell an. So kann D-Fine seinen Kunden eine Komplettbetreuung anbieten, von der strategischen Beratung bis hin zur fertigen IT-Umsetzung des Risikomanagements &#8211; die naturwissenschaftlich geschulten Mitarbeiter sind Alleskönner.</p>
<p>Voraussetzung seien jedoch gute kommunikative Fähigkeiten und die richtige Einstellung, sagt Schark: &#8220;Der Kunde hat für sein gutes Geld Anspruch auf eine gute Dienstleistung.&#8221; Und das bedeute eben auch, im festgelegten Zeitrahmen fertig zu werden und die Vorgaben des Kunden zu akzeptieren. Nicht allen Physik-Absolventen, die direkt von der Universität kommen, fällt das leicht.</p>
<p>Und die anderen? Knapp sieben Prozent der Physiker in Deutschland, auch das hat die Studie der DPG ergeben, arbeiten als Dozenten und Professoren an Hochschulen; weitere zehn Prozent sind als wissenschaftliche Mitarbeiter, Doktoranden oder in verwandten wissenschaftlichen Berufen tätig. Sie schätzen meist die relative Freiheit und die intellektuelle Herausforderung, die ihnen die Forschung bietet. Aber wer sich für eine Karriere in der Forschung entscheidet, sollte wissen, worauf er sich einlässt: &#8220;Dass es so hart sein würde, hätte ich nicht gedacht&#8221;, sagt der Physiker Martin Krüger, der seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.</p>
<p>Nach der Promotion war er jeweils für einige Jahre auf Postdoc-Stellen im Ausland, jetzt hat er eine Assistenzprofessur &#8211; befristet. Was danach kommen soll? Krüger weiß es nicht. &#8220;Einen permanenten Job zu bekommen, ist das Schwerste, im Nachhinein war alles andere kein Problem&#8221;, sagt er. Aber feste Stellen sind rar, zumal in den vergangenen Jahren vor allem befristete Positionen ähnlich seiner jetzigen geschaffen wurden: Mit Fördermitteln des Bundes entstanden etwa allein zwischen 2002 und 2004 circa 800 Juniorprofessuren, mit denen jungen Wissenschaftlern der Einstieg in die Forschungskarriere erleichtert werden sollte, etwa die Hälfte davon im naturwissenschaftlichen Bereich. Hinzu kommen Stipendien für Nachwuchsforscher wie das Emmy-Noether-Programm.</p>
<p>Doch reguläre Professuren sind nach wie vor knapp. Laut dem Bundesbericht zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses werden auch in Mathematik und Naturwissenschaften jährlich imMittel etwa doppelt so viele Forscher habilitiert wie neu auf Professuren berufen werden, &#8220;wobei der Ausstieg aus der angestrebten wissenschaftlichen Karriere für diejenigen, die nicht berufen werden, mit erheblichen Problemen verbunden ist&#8221;, wie es in dem Bericht heißt. Trotzdem will Martin Krüger nicht jammern, denn er liebt sein Fach und die wissenschaftliche Arbeit. &#8220;Für mich war immer klar, dass ich Forschung in der Physik machen möchte, das hat mich einfach am meisten interessiert.&#8221; Darum hat er die Entscheidung für das Physikstudium trotz allem nie bereut. Und damit steht er nicht allein: Der Anteil der Physik-Absolventen, die sich auch einige Jahre nach dem Abschluss wieder für ihr Fach entscheiden würden, liegt gemäß der DPG-Studie bei 87 Prozent &#8211; mehr als bei allen anderen Fachrichtungen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://frankenschulz.de/blog/2010/10/26/die-alleskonner/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Mauerfall: Die letzte Elite</title>
		<link>http://frankenschulz.de/blog/2009/11/30/mauerfall-die-letzte-elite/</link>
		<comments>http://frankenschulz.de/blog/2009/11/30/mauerfall-die-letzte-elite/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 30 Nov 2009 21:12:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frankenschulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politics]]></category>
		<category><![CDATA[article]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Ostdeutschland]]></category>
		<category><![CDATA[SPIEGEL]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://frankenschulz.de/blog/?p=524</guid>
		<description><![CDATA[Besser als jeder der anderen 1000 Mauerfall-Gedenkartikel der letzten Wochen&#8230; [DER SPIEGEL 43/2009] Die letzte Elite Von Gutsch, Jochen-Martin Im September 1988 begann eine Klasse der Immanuel-Kant-Oberschule mit dem Abitur. Die Schüler sollten den Sozialismus voranbringen. Dann fiel die Mauer, und das Leben musste eine neue Richtung finden. Welche? Wo sind sie 20 Jahre später [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Besser als jeder der anderen 1000 Mauerfall-Gedenkartikel der letzten Wochen&#8230;</em></p>
<p><a title="Volltext auf SPIEGEL ONLINE" href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-67398822.html">[DER SPIEGEL 43/2009]</a></p>
<p><strong>Die letzte Elite</strong><br />
Von Gutsch, Jochen-Martin</p>
<p><em>Im September 1988 begann eine Klasse der Immanuel-Kant-Oberschule mit dem Abitur. Die Schüler sollten den Sozialismus voranbringen. Dann fiel die Mauer, und das Leben musste eine neue Richtung finden. Welche? Wo sind sie 20 Jahre später angekommen?</em></p>
<p>Auf dem letzten Foto stehen wir vor der Schule. Es ist der Sommer 1990, und wir haben gerade ein DDR-Abitur gemacht. Es ist kein echtes Abschlussfoto. Wir stehen nicht in Reihen, wir tragen aus Gründen, die ich vergessen habe, weiße Hemden oder Blusen, kaum jemand schaut in die Kamera, es ist ein wackliges, chaotisches Foto, aber vielleicht passt es ganz gut zur Stimmung und den Zeiten, damals. Wir sind 18 Jahre alt. Es ist nicht mehr ganz klar, wohin wir jetzt gehen werden.</p>
<p>Fast alles, was auf diesem letzten Foto noch sichtbar ist, ist heute verschwunden. Zuerst verschwand das Land, die DDR. Dort wurden wir groß, im Ost-Berlin der siebziger und achtziger Jahre, Stadtbezirk Lichtenberg. Im September 1988 begannen wir mit dem Abitur an der Erweiterten Oberschule Immanuel Kant. Es gab einen Fahnenappell, wir trugen FDJ-Hemden und waren die Auserwählten, zugelassen für zwei weitere Schuljahre. Es war nicht leicht, in der DDR ein Abitur zu machen. Der Zugang war beschränkt. Wir hatten gute Noten und waren als politisch überzeugt oder unbedenklich eingestuft worden. Der Direktor hielt eine Rede, er sprach von Ehre und Verpflichtung. Wir sollten das Abitur machen, anschließend studieren und sozialistische Akademikerpersönlichkeiten werden, die nächste DDR-Elite, die den Sozialismus voranbringt. Wir waren die neuen Fahnenträger für die große Sache. Wir waren 20 Schüler in unserer Klasse. Einige wollten Offizier werden, andere Arzt, Lehrer, Ökonom.</p>
<p>Ein gutes Jahr später fiel die Mauer.</p>
<p><span id="more-524"></span>Ein weiteres Jahr später verhandelten Michail Gorbatschow und Helmut Kohl in Strickjacke und Strickpullover die deutsche Einheit. So wurden wir keine sozialistische Elite, sondern der letzte Abiturjahrgang der DDR. Die letzte DDR-Generation, die im Sozialismus die Schule beendete. Die erste, die im Kapitalismus erwachsen wurde. Eine Schulklasse an historischer Schnittstelle. Die Klasse von 1989/90.</p>
<p>Die schmale Straße, die zur Schule führte, beginnt gegenüber dem ehemaligen Gebäude der Staatssicherheit und trägt den Namen des Widerstandskämpfers Schulze-Boysen. Sie führt in ein Plattenbaugebiet, elfgeschossig, viel DDR-Beton, die Fassaden sind heute bunt, aus der alten HO-Kaufhalle wurde ein Kaiser&#8217;s-Supermarkt, an der Seite der Asia-Imbiss, wo sich die Trinker treffen. Ansonsten könnte man hier noch immer einen Film drehen über Ost-Berlin. Man müsste die Autos austauschen, ansonsten nicht viel.</p>
<p>Auch die alte Schule ist verschwunden. Auf dem letzten Foto sieht man sie noch im Hintergrund, vor einigen Jahren wurde sie abgerissen und ein neues Gebäude errichtet, rund und apfelsinenfarben. Ein Kiez-Treff, der Yoga-Kurse anbietet, eine Senioren-Singgruppe und Osteoporose-Gymnastik. Die alte Schule war blassweiß und eckig. Ein DDR-Einheitsschulneubau. Die einzigen Überlebenden auf dem letzten Foto sind anscheinend wir selbst. 19 junge Ost-Berliner, gerade volljährig, vor einer verblassenden Kulisse.</p>
<p>Im Sommer 1990 machte unsere Lichtenberger Klasse noch eine Abschlussfahrt in die CSSR. Wir saßen dort in einer verrumpelten Kneipe, umhüllt von Zigarettenrauch, und sahen im Fernsehen, wie die D-Mark nach Ost-Berlin kam, wie unsere Landsleute die Sparkassen stürmten. Kurze Zeit später verabschiedeten wir uns voneinander und gingen los. Jeder in seine Richtung. Wir hatten den gleichen Startpunkt, wir kannten uns in einer anderen Gesellschaftsordnung.</p>
<p>Manche gingen anschließend nach Westen, weil dort die Zukunft zu liegen schien, manche suchten den Weg im Osten, der ihnen vertrauter war. Vielleicht sind wir ja trotzdem alle irgendwo angekommen in den vergangenen fast 20 Jahren.</p>
<p>Die Frage ist, wo das sein könnte.</p>
<p>[...]</p>
<p><a title="Volltext auf SPIEGEL ONLINE" href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-67398822.html">[weiter auf SPIEGEL ONLINE]</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://frankenschulz.de/blog/2009/11/30/mauerfall-die-letzte-elite/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Feigheit vor dem Volk</title>
		<link>http://frankenschulz.de/blog/2009/09/15/feigheit-vor-dem-volk/</link>
		<comments>http://frankenschulz.de/blog/2009/09/15/feigheit-vor-dem-volk/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 15 Sep 2009 09:47:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frankenschulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politics]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
		<category><![CDATA[article]]></category>
		<category><![CDATA[SPIEGEL]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://frankenschulz.de/blog/?p=487</guid>
		<description><![CDATA[[DER SPIEGEL 32/2009] Wider den verlogenen Menschenrechts-Bellizismus von Richard David Precht Was ein Krieg ist, definiert der Verteidigungsminister. Dieser Satz steht zwar nicht in der Verfassung, aber er gilt trotzdem. Ein &#8220;Stabilisierungseinsatz&#8221; und &#8220;kein Krieg&#8221; sei das, was die Bundeswehr in Afghanistan treibe, erklärte Franz Josef Jung. Ergänzt um den verblüffenden Nachsatz, dass es schon [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=66284736">[DER SPIEGEL 32/2009]</a></p>
<p><strong>Wider den verlogenen Menschenrechts-Bellizismus</strong></p>
<p>von Richard David Precht</p>
<p>Was ein Krieg ist, definiert der Verteidigungsminister. Dieser Satz steht zwar nicht in der Verfassung, aber er gilt trotzdem. Ein &#8220;Stabilisierungseinsatz&#8221; und &#8220;kein Krieg&#8221; sei das, was die Bundeswehr in Afghanistan treibe, erklärte Franz Josef Jung. Ergänzt um den verblüffenden Nachsatz, dass es schon deshalb kein Krieg sei, weil dies der Sprachgebrauch der Taliban sei. Diese wiederum seien keine Krieger, sondern Terroristen.</p>
<p>Drei Sätze benötigte der Verteidigungsminister, um die deutsche Sprache weit hinter die Gebrüder Grimm zurückzuwerfen. Hin zu einer privaten Semantik, in der Krieger keine Terroristen und Terroristen folglich auch keine Krieger sein können. Hin auch zu einer Begriffswolke namens &#8220;Stabilisierungseinsatz&#8221;, die ihren Ehrenplatz im Wörterbuch der militärischen Verdummungsvokabeln findet. Worte wie diese signalisieren nur eins: Feigheit vor dem eigenen Volk.</p>
<p>Worum es beim Stabilisierungseinsatz gegen die Nicht-Krieger der Taliban gehen soll, erklärt weniger zaghaft Jungs Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan: &#8220;Es ist jetzt an der Zeit, diese Eskalation vorzunehmen.&#8221; Das Wort Krieg fällt auch bei ihm nicht. Kein Wunder, denn seit der Amtsübernahme von US-Präsident Barack Obama gibt es keinen Krieg gegen den Terrorismus mehr. Der Begriff verschwand im Giftschrank der Außenpolitik, ersetzt durch &#8220;Overseas Contingency Operation&#8221;, also so etwas wie &#8220;Krisenfallmaßnahme in Übersee&#8221;, gemeint ist unter anderem Afghanistan. &#8220;Politische Sprache ist dazu geschaffen, Lügen wahrhaft und Mord respektabel klingen zu lassen&#8221;, meinte einst George Orwell. Und nur der amerikanische Präsident und der deutsche Verteidigungsminister dürfen definieren, was ein Krieg ist, nicht aber ein paar hergelaufene Afghanen, denen man bis vor einem halben Jahr noch Menschenrechte bescheren wollte.<br />
<span id="more-487"></span><br />
Von diesem hehren Vorhaben freilich ist von Seiten der USA heute nicht mehr die Rede. Fast unmerklich hat der Hoffnungsträger Obama den politischen Kitsch seines Vorgängers durch eine Prosa der Realpolitik ersetzt. Statt Freiheitsbotschaft und Menschenrechts-Bellizismus gegenüber demokratieresistenten Stammeskriegern geht es nun nur noch um das Gleichgewicht des Schreckens zwischen konkurrierenden Warlords, fanatischen Taliban und der kleptokratischen Stammesclique des Kabuler Präsidenten Karzai. Ruhe, nicht Frieden und Freiheit, ist das Ziel der neuen amerikanischen Regierung. Ruhe für eine ungefährdete militärische Dauerpräsenz auf jenem &#8220;unsinkbaren Flugzeugträger&#8221;, von dem der afghanische Politologe Matin Baraki spricht, zwischen Pakistan, Turkmenistan und Iran im geostrategisch so wichtigen Afghanistan. Und Ruhe vielleicht für die längst geplante Öl- und Gaspipeline, deren Bau noch immer in den Stars und Stripes liegt.</p>
<p>Mit Deutschland haben all diese Dinge naturgegeben nichts zu tun. Und nur die politischen Kapriolen im Vorfeld des letzten Irak-Krieges erklären, warum heute deutsche Soldaten im Norden Afghanistans eine Eskalation vornehmen sollen. &#8220;Deutschlands Sicherheit&#8221; werde &#8220;am Hindukusch verteidigt&#8221;, flüchtete sich der damalige Verteidigungsminister Peter Struck in eine Lüge, um sich erfolgreich vor dem Krieg im Irak zu drücken. Gerhard Schröders Wiederwahl heiligte das Mittel. Doch wusste Struck tatsächlich nicht, welch fürchterliche rhetorische Anleihe er da gemacht hatte? Eine Anleihe an die unsägliche Redewendung der sechziger Jahre, in Saigon werde die Freiheit Berlins verteidigt? Bei jenem Satz, der dazu herhielt, die Chemie- und Biowaffeneinsätze, das Brandgas und Dioxin gegen die vietnamesische Zivilbevölkerung zu rechtfertigen? Ein Satz, frei von Logik und Konsequenz überdies, denn wenn er zuträfe: Wer verteidigt dann Deutschlands Sicherheit in Teheran? Wer verteidigt sie in Pjöngjang?</p>
<p>Tatsächlich aber muss Deutschlands Sicherheit wohl in Berlin verteidigt werden, gegen diejenigen, die die Bundesrepublik durch ihre Afghanistan-Abenteuer fahrlässig zur Zielscheibe von Terroristen machen. In Wahrheit glaubt vermutlich auch längst kein Mitglied der Bundesregierung, dass es &#8211; erstens &#8211; jemals gelingt, einer ubiquitären Organisation wie al-Qaida an einem einzigen lokalen Schauplatz das Handwerk zu legen. Dass es, zweitens, möglich sein kann, die Taliban durch militärische Mittel zur Aufgabe ihres Fanatismus zu bewegen; dass, drittens, Afghanistan ein geeignetes Experimentierfeld dafür ist, eine mittelalterliche Gesellschaft in eine freiheitliche Demokratie zu verwandeln; und dass, viertens, die Bundeswehr die Warlords vom Wert der Menschen-, speziell der Frauenrechte überzeugt.</p>
<p>Keine deutsch-amerikanische Freundschaft rechtfertigt dauerhaft einen militärisch perspektivlosen Einsatz. Und nur die mangelnde Courage der Bundesregierung gegenüber den USA erklärt das Fortwursteln. Mag sein, dass die Bundeswehr am Hindukusch einigen Menschen das Leben gerettet, ein paar Straßen friedlich gemacht und ein paar Frauen und Schulkindern das Leben erleichtert hat &#8211; aber all diese feinen Dinge könnte man mit gleichem Recht auch in Somalia tun, im Kongo oder in Ruanda. Einsatzorte für gute Taten gibt es überall. Aber nicht die USA gäben dabei die Marschroute vor, sondern Amnesty International.</p>
<p>Es gibt Menschen, denen sogenannte Realpolitik, Bündnistreue und wirtschaftliche Interessen wichtiger sind als Idealismus und Moral. Sie haben ihre Gründe, das von ihnen gern so genannte &#8220;Engagement&#8221; der Bundeswehr in Afghanistan zu verteidigen. Für alle anderen aber dürfte gelten, was Martin Walser in seinem offenen Brief an Angela Merkel schrieb: dass der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan moralisch unerträglich geworden ist. Wie denkbar knapp wurde beim Jugoslawien-Krieg die eherne Grenze überschritten, die Bundeswehr nie mehr an Kampfhandlungen im Ausland zu beteiligen &#8211; und mit wie viel Skrupeln wurde dieser Einsatz überwacht. In Afghanistan dagegen treiben wir inzwischen Schindluder mit unserer neuen Lizenz zum Töten. Wir verwischen en passant die Grenze zwischen Verteidigung und Angriff und führen einen Krieg, zu dem wir gemäß der UN-Resolution 1386 keinerlei Mandat haben. Allein die &#8220;Unterstützung&#8221; des in Wahrheit gar nicht vorhandenen, sondern rein fiktiven afghanischen Staates ist uns gestattet, nicht aber eine Eskalation.</p>
<p>Deutschland verteidigt am Hindukusch nicht seine Sicherheit, sondern es verstößt gegen das Völkerrecht. Geboten wäre ein Aufstand der Intellektuellen dieses Landes gegen den Dammbruch. Geboten wäre ein Appell, gestützt durch die Mehrheit der Bevölkerung, der unserer Regierung Mut machte, nicht weiterhin sinnlos Milliarden zu verschleudern und Soldaten in den Tod zu schicken. Und geboten wäre auch ein klares Wort zum Eiertanz der Grünen, die heute eine &#8220;zivile Offensive&#8221; in Afghanistan fordern. Gemeint ist, die afghanische Polizei und die Sicherheitskräfte zu stärken. Aber woher nehmen? Es gibt keine zuverlässige staatstreue Polizei in diesem Land &#8211; es gibt ja im Grunde noch nicht einmal einen Staat. Die Sicherheitskräfte in Afghanistan sind unterbezahlt und im Zweifelsfall immer Diener mehrerer Herren. Der Aufbau einer zivilen Sicherheitsmacht, die es in der Geschichte landesweit noch nie gab, dauert Jahrzehnte, wenn nicht ein Jahrhundert. Wie lange wollen Claudia Roth und Cem Özdemir deutsche Soldaten in Afghanistan stationieren?</p>
<p>Sicher, es ist nicht leicht, sich von der Utopie zu befreien. Der Kampf für die Menschenrechte in aller Welt ist die Blaue Blume der linken Romantik. Und das größte Wunder der Erde ist der Wunderglaube ihrer Bewohner, besonders der Linken. Aber selbst wenn Deutschland hunderttausend Soldaten nach Afghanistan schickte, dazu Lehrer und Kindergärtner, Polit-Profis, Poeten, Propheten und Professoren, wenn wir jeden bärtigen Krieger, dessen wir habhaft werden können, in ein Ent-Talibanisierungslager schicken und ihm Röpke und Eucken erklären, Habermas und Dahrendorf vorlesen &#8211; selbst dann wären die Erfolgsaussichten gering.</p>
<p>Der Fehler des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan liegt nicht allein in der praktischen Undurchführbarkeit. Er steckt bereits in der philosophischen Theorie. Seit der griechischen Antike inspiriert der Gedanke, dass es eine richtige Art zu leben gebe, den moralischen Idealismus westlicher Prägung. Die Dummen, die Ungebildeten und die moralisch Verirrten müssen mit allen in der Macht der Durchblicker stehenden gesellschaftlichen Mitteln dazu gebracht werden, auf Linie zu kommen. Dieser Idealismus fordert Unterwerfung unter die Idee des Guten, der Tugend, mithin unter die westliche Wertegemeinschaft. &#8220;Wenn wir das freie Denken in der Chemie oder der Biologie nicht gestatten, warum sollen wir es dann in der Moral oder der Politik zulassen?&#8221;, argumentierte der französische Philosoph Auguste Comte im 19. Jahrhundert. Und warum sollen wir die Taliban Taliban sein lassen, fragt sich heute der weltverbessernde deutsche Politiker.</p>
<p>Die pazifistische Internationale der Guten, wie sie sich auf der Haager Friedenskonferenz von 1899 versammelte, ist heute eine militärische Internationale. Doch was in Jugoslawien sinnvoll war, gilt nicht in Kunduz und in Kandahar. Der Vergleich mit der Befreiung Deutschlands von der Nazi-Herrschaft, die den Nazi auch nicht Nazi sein ließ, bringt es an den Tag. Im Unterschied zu Afghanistan heute wurden zumindest Briten und Amerikaner tatsächlich von einer Mehrheit der Befreiten schnell als &#8220;Befreier&#8221; empfunden. In Afghanistan dagegen sieht die Bevölkerungsmehrheit in den ausländischen Besatzern das, was sie auch tatsächlich sind: mehr oder weniger freundliche Invasoren. Und einen Holocaust gibt es am Hindukusch auch nicht.</p>
<p>Die Welt ist näher zusammengerückt in den letzten Jahrzehnten, ohne Zweifel. Aber die Grenzen der Kulturen sind noch immer die Grenzen auch des militärischen Humanismus. Wer sie zu schnell überschreitet, macht aus willkommener Aufklärung kontraproduktiven Kolonialismus. Es mag nicht leicht sein, sich dies einzugestehen. Kant kommt nicht bis Kunduz, jedenfalls nicht durch Waffen und Soldaten. Den dauerhaften ideologischen Sieg über Nazi-Deutschland erzielten die westlichen Besatzungsmächte ja auch nicht durch ihre Panzer, sondern durch die Einführung von Nylonstrümpfen, Jazzmusik, Kaugummi, Jeans, Hollywood und Coca-Cola. Die Voraussetzungen dafür waren günstig, schließlich gehörte man weitgehend zur gleichen Kultur.</p>
<p>Mehr als Drei Viertel der Welt hat man inzwischen erfolgreich mit dieser Kultur unterwandert. Aber erst wenn die Soldaten verschwinden, wird der American Way of Life, die erfolgreichste Massenvernichtungswaffe des 20. Jahrhunderts, auch in den Hochburgen der Fundamentalisten erfolgreich zünden. Früher oder später, so viel Vertrauen in deren Sprengkraft muss sein, erwischt es wohl auch die Afghanen und die Iraner sowieso. Aufklärung geschieht durch Kultur, nicht durch Tornados. Und Demokratie schießt man nicht in die Herzen von Menschen, die davon nichts wissen. Die Internationale in Afghanistan erkämpft kein Menschenrecht.</p>
<p>Die Kanzlerin müsse der Bevölkerung &#8220;endlich erläutern, warum unsere Soldaten überhaupt am Hindukusch sind und wie lange sie noch bleiben müssen&#8221;, hat Cem Özdemir gefordert. Könnte er es erklären? Und wüsste er, wie lange sie noch bleiben müssen? Bis auch er verstanden hat, dass es nicht mehr sinnvoll ist, deutsche Soldaten für den militärischen Humanismus in einen fernen Krieg zu schicken? Bis man aufgehört hat, sich aus Feigheit wegzuducken? So lange schließlich, bis man sich in der parteiübergreifenden Koalition des schlechten Gewissens nicht weiter verspricht, den Krieg aus dem Wahlkampf herauszuhalten?</p>
<p>Nach fast acht Jahren Bundeswehreinsatz in Afghanistan sind die Taliban nicht besiegt, die Menschenrechte werden überall missachtet, von Freiheit ist keine Rede mehr. Niemand kann das der Bundeswehr anlasten. Aber auch niemand wird damit ihren Verbleib rechtfertigen können. Immerhin: Die blühenden Landschaften sind Realität geworden. Von Norden bis Süden und von Osten bis Westen leuchten Mohnfelder für den Ertrag von Opium. Die Gegenwart in Afghanistan ist nicht grün, sondern violett.</p>
<p><em>Precht, 44, ist Philosoph und lebt in Köln. Seine Bücher &#8220;Wer bin ich &#8211; und wenn ja, wie viele?&#8221; und &#8220;Liebe &#8211; ein unordentliches Gefühl&#8221; sind Bestseller.</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://frankenschulz.de/blog/2009/09/15/feigheit-vor-dem-volk/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Unter deutschen Dächern: Berlin Prenzlauer Berg</title>
		<link>http://frankenschulz.de/blog/2009/09/02/unter-deutschen-dachern-berlin-prenzlauer-berg/</link>
		<comments>http://frankenschulz.de/blog/2009/09/02/unter-deutschen-dachern-berlin-prenzlauer-berg/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 02 Sep 2009 19:03:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frankenschulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politics]]></category>
		<category><![CDATA[Random]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Ostdeutschland]]></category>
		<category><![CDATA[TV]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://frankenschulz.de/blog/2009/09/02/unter-deutschen-dachern-berlin-prenzlauer-berg/</guid>
		<description><![CDATA[Die neue Elite vom Prenzlauer Berg Online in der ARD-Mediathek bis 08.09.2009: Wie kein anderes Viertel in Deutschland wurde der Prenzlauer Berg in den vergangenen 20 Jahren umgekrempelt. Aus dem ehemaligen Arbeiterviertel im Berliner Osten ist ein boomender Kiez geworden. Nach der Wende wurde der Prenzlauer Berg zu Europas größtem Sanierungsgebiet: verfallene Altbauten wurden mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die neue Elite vom Prenzlauer Berg</strong></p>
<p><a href="http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/2927784?pageId=&#038;moduleId=799280&#038;categoryId=&#038;goto=1&#038;show=">Online in der ARD-Mediathek</a> bis 08.09.2009:</p>
<p>Wie kein anderes Viertel in Deutschland wurde der Prenzlauer Berg in den vergangenen 20 Jahren umgekrempelt. Aus dem ehemaligen Arbeiterviertel im Berliner Osten ist ein boomender Kiez geworden. Nach der Wende wurde der Prenzlauer Berg zu Europas größtem Sanierungsgebiet: verfallene Altbauten wurden mit massiven Steuergeldern in wenigen Jahren in schick renovierte Fassaden verwandelt. Nirgendwo verlief der Aufbau Ost schneller und drastischer. Innerhalb weniger Jahre wurde die Bevölkerung fast komplett ausgetauscht. Junge Studenten aus dem Westen verdrängten die alten Bewohner, seitdem ist es schick hier zu wohnen. Doch das hat seinen Preis: mit der Sanierung stiegen die Mieten, es folgten teure Läden und zahllose Straßencafés für die neue Schickeria.</p>
<p><a href="http://www.daserste.de/doku/beitrag_dyn~uid,2izivt0y72s3kyha~cm.asp">[Quelle: RB]</a></p>
<object type="application/x-shockwave-flash" data="http://www.youtube.com/v/KUgNvoTYHhw" width="425" height="350"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/KUgNvoTYHhw" /></object>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://frankenschulz.de/blog/2009/09/02/unter-deutschen-dachern-berlin-prenzlauer-berg/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>¡ETA NO!</title>
		<link>http://frankenschulz.de/blog/2009/07/30/%c2%a1eta-no/</link>
		<comments>http://frankenschulz.de/blog/2009/07/30/%c2%a1eta-no/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 30 Jul 2009 18:46:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frankenschulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politics]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://frankenschulz.de/blog/2009/07/30/%c2%a1eta-no/</guid>
		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://frankenschulz.de/blog/images/etano.jpg"><img alt="" src="http://frankenschulz.de/blog/images/etano.jpg" title="ETA NO" class="alignnone" width="400" height="400" /></a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://frankenschulz.de/blog/2009/07/30/%c2%a1eta-no/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Karrieren: Die deutsche Queen</title>
		<link>http://frankenschulz.de/blog/2009/06/16/karrieren-die-deutsche-queen/</link>
		<comments>http://frankenschulz.de/blog/2009/06/16/karrieren-die-deutsche-queen/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2009 13:30:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frankenschulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politics]]></category>
		<category><![CDATA[article]]></category>
		<category><![CDATA[Ostdeutschland]]></category>
		<category><![CDATA[SPIEGEL]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://frankenschulz.de/blog/?p=433</guid>
		<description><![CDATA[Das Volk diskutiert darüber, ob seine Kanzlerin Angela Merkel eher Protestantin oder Physikerin oder Frau oder Ostdeutsche ist. Dabei lebt die einstige Quereinsteigerin seit Jahren wie in einem Schloss, aus dem sie auf ihr Land und die Welt schaut. Von Alexander Osang [DER SPIEGEL, 20/2009 vom 11.05.2009, Seite 38] An einem Freitagnachmittag, Ende April, hat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Das Volk diskutiert darüber, ob seine Kanzlerin Angela Merkel eher Protestantin oder Physikerin oder Frau oder Ostdeutsche ist. Dabei lebt die einstige Quereinsteigerin seit Jahren wie in einem Schloss, aus dem sie auf ihr Land und die Welt schaut.<br />
</em></p>
<p>Von Alexander Osang</p>
<p>[<a href="http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?titel=Die+deutsche+Queen&amp;id=65330394">DER SPIEGEL, 20/2009 vom 11.05.2009, Seite 38</a>]</p>
<p>An einem Freitagnachmittag, Ende April, hat Angela Merkel ein weiteres Stück Boden unter den Füßen verloren. Rüdiger Schuck und seine Jungs haben es verschwinden lassen.</p>
<p>Schuck ist Polier einer Templiner Straßenbaufirma. Er und seine drei Kollegen bekamen den Auftrag, zwischen zwei Wochenenden einen 120 Meter langen Streifen uraltes uckermärkisches Pflaster mit einer Asphaltschicht zu überziehen. Er gehört zu der schmalen Straße, die zwischen Feldern, Seen und Wäldern zum Dorf Hohenwalde führt, wo das Wochenendhaus der Bundeskanzlerin steht. Der Weg erklimmt hier einen kleinen Hügel, den letzten vor dem Dorf, dort, wo der Besucher aus der Stadt bereits anfängt, sich zu erholen, wie man so sagt, und war an den Rändern ziemlich ausgefahren.</p>
<p>&#8220;Die schönen ollen Katzenköppe sind natürlich weg jetze&#8221;, sagt Rüdiger Schuck, zündet sich eine Zigarette an und schaut auf das schwarzglänzende Asphaltband, das wie ein Flicken auf dem alten Feldweg klebt. Er kann sich nicht vorstellen, dass es der Bundeskanzlerin so gefällt, aber Auftrag ist Auftrag. Freitagmittag müssen sie fertig sein. Ab da öffnet sich das Zeitfenster für das Eintreffen der Kanzlerin, hat ihm einer der Polizisten ausgerichtet, die in dem weißen Würfel Wache halten, der gegenüber dem Kanzlerinnenwochenendhaus steht.<br />
<span id="more-433"></span><br />
Das Zeitfenster für das Eintreffen der Kanzlerin in Hohenwalde klappte dann später zu als gedacht, weil am Freitagnachmittag in der Nähe ihres Mietshauses in Berlin-Mitte eine russische Fliegerbombe gefunden wurde. Das ganze Viertel war abgesperrt, sie durfte nur kurz in ihre Wohnung, um ein paar Sachen zu holen. Es war schon dunkel, als sie in den Feldweg bog, vielleicht hat sie gemerkt, dass der letzte Anstieg vor Hohenwalde nicht so holprig war wie sonst, vielleicht nicht. Ein Regierungs-Audi ist gut gefedert, und eine Bundeskanzlerin hat am Ende einer Arbeitswoche noch ziemlich viel im Kopf, die Bombe, die Weltwirtschaftskrise, die Situation von Jürgen Klinsmann, und so hat sie wohl erst von ihrem Mann erfahren, dass die Straße geflickt wurde. Professor Sauer war schon am Nachmittag mit dem alten roten Golf vorgefahren. In dem spürt man jeden Huckel.</p>
<p>Ein Mitarbeiter aus dem Kanzleramt sagt, dass die größte Veränderung für Angela Merkel seit 2005 das Gewicht ihres Wortes ist. Wenn sie sich über das Wetter äußert, vermuten manche Untergebenen eine Anspielung zum Klimawandel und bereiten schnell irgendeine Vorlage vor. Womöglich hat sie mal &#8220;huch&#8221; gesagt, als sie über den kleinen Hügel holperte, und so Rüdiger Schuck und seine Brigade in Bewegung gesetzt, ohne es zu wissen. Ein Augenaufschlag kann eine Lawine auslösen, wenn man Bundeskanzlerin ist. Als sie am Freitagabend schließlich in Hohenwalde einrollte, war die russische Fliegerbombe zwar noch nicht entschärft, aber ein Sprecher der Bundesregierung erklärte, dass sie kein Problem für die Kanzlerin darstelle.</p>
<p>&#8220;Die Bundeskanzlerin musste ihre Planungen für den Abend nicht ändern&#8221;, sagte der Sprecher. Es klingt, als sei das kleine Neubauernhaus in Hohenwalde Teil der Staatsaffären geworden, und womöglich ist das so.</p>
<p>Wie der alte Golf und der Professor Sauer bietet die Uckermark Angela Merkel eine Möglichkeit, ihr jetziges Leben mit ihrem früheren abzugleichen, durchzuatmen, anzuhalten. Sie ist in den vergangenen 20 Jahren wie eine Rakete durch die deutsche Gesellschaft geschossen. Alles ist anders, nur das Haus in Hohenwalde hatte sie schon damals und den Blick über die abfallenden Wiesen zum See. Wie in einem Kloster sucht sie hier ihre Maßstäbe.</p>
<p>Es ist das letzte Stück Welt, das ihr vertraut vorkommt, von dem sie sicher weiß, dass es so ist, wie sie es sieht. Es ist für sie nicht mehr möglich, als Angela Merkel zu wirken. Es wirkt immer die Bundeskanzlerin. Und sie kann die Welt nicht mehr als Angela Merkel wahrnehmen. Ihr wird eine Bundeskanzlerinnenwelt präsentiert und erzählt. Wie sieht diese Welt aus? Und was hat sie aus Angela Merkel gemacht?</p>
<p><!-- Einige Dinge haben sich auch in Hohenwalde verändert, seit sie Kanzlerin ist. Es gibt jetzt eine Polizeiwache im Dorf, mit großen Antennen und überdachtem Stellplatz für einen blau-weißen PolizeiMercedes. Wenn Angela Merkel spazieren geht, steht am Waldrand ein Geländewagen, in dem ein Mann sitzt. Schaut sie hin, hebt der Mann eine Zeitung. Sie ist mal rübergegangen und hat ihn gefragt: Glauben Sie, ich denke, Sie lesen hier Zeitung? Aber beim nächsten Mal stand der Geländewagen wieder da. Sie hat durchgesetzt, dass der Wachschutz auf ihren Spaziergängen mindestens 200 Meter Abstand zu ihr hat und nicht mehr nur 50 Meter wie vorgeschrieben, weil sie keine Lust hatte, mit ihrem Mann zu flüstern. 200 Meter, intimer kann sie nicht sein. Eine Mitarbeiterin aus dem Kanzleramt sagt, das Privatleben verschwinde, wenn man Kanzler ist, und auch die Freizeit löse sich auf. Es gibt die Newscenter-SMS aus dem Kanzleramt, 40 bis 50 politische Nachrichten am Tag, die auf dem Handy der Kanzlerin eintreffen, und es gibt Ausflügler, die in das Sackdorf kommen und raten, in welchem Haus sie wohnt. Ihr Haus ist eigentlich zu klein für eine Kanzlerin, aber was heißt das schon. Merkel ist fremder im Ort als die neu zugezogenen Berliner und wird mit jedem Tag fremder. Die Nachbarin, die früher den Dorfkonsum führte, sieht die Bundeskanzlerin manchmal an ihrem Gartentor vorbeijoggen, sagt sie. Dann nickt sie schwach und denkt: Früher haben wir hier alle mehr zusammengehalten. Ein Wirt aus dem Nachbarort erzählt, dass er Angela Merkel im vorigen Sommer beim Baden traf. Er kam gerade, als sie dem See entstieg. Er grüßte sie freundlich, aber sie wirkte geschockt, sagt der Wirt. Sie starrte ihn an, wahrscheinlich weil sie keine Kanzlerinnengeste für die Badeanzugsituation hatte, winkte ihm schließlich leicht mit einer Hand zu wie einem Staatsgast. Einen Moment später stieg der Sicherheitsbeamte aus dem Wasser. Angela Merkel verschwand in ihrem alten Golf und fuhr davon. Der Bodyguard radelte hinterher. Das klingt doch eigentlich gar nicht so abgehoben. Na ja, sagt der Wirt, früher ist sie immer nackig baden gegangen. Die Begegnung am See beschreibt wahrscheinlich den größtmöglichen Unterschied zu ihrem Alltag im Bundeskanzleramt, durch das sie rollt wie eine Königin mit Rädern unten dran. Niemand steht ihr hier überraschend im Weg. Die Uckermark wurde von der letzten Eiszeit geformt, das Regierungsviertel vom späten Helmut Kohl. Man kann hier schnell verlorengehen, denn Maßstäbe gibt es keine. Die Häuser wirken wie riesige Bauklötze, die von einem dicken, gelangweilten Kind in großen Abständen fallen gelassen worden sind. Gegen das Bundeskanzleramt wirkt das Weiße Haus wie ein Wochenendbungalow. Flopp machen die Türen wie Schleusentore, man erwartet, dass man jeden Moment desinfiziert wird, abgesprüht wie in einer großen Autowaschanlage, der Ton der eigenen Schritte verändert sich. Man fühlt sich riesig und einsam zugleich, so wie Will Smith als letzter Überlebender in "I am Legend". Hinter den Fenstern sieht man vor anderen größenwahnsinnigen Gebäuden Menschen herumlaufen, die an die Gestalten erinnern, die Stadtplaner auf ihre Entwürfe malen, um Leben vorzutäuschen. Wenn man fast eine halbe Stunde in dem Haus sitzt, kann man sich nicht mehr vorstellen, dass es eine Verbindungsmöglichkeit zwischen hier drinnen und dort draußen gibt. Eine Mitarbeiterin sagt, dass man vom Zimmer der Kanzlerin eine halbe Stunde braucht, um das nächste öffentliche Café zu erreichen. Das ist auf dem Hauptbahnhof. Es ist ein Ghetto, sagt die Mitarbeiterin, eine Käseglocke. Gerhard Schröder hat fast jede Nacht hier drin geschlafen, ganz oben unterm Dach. Das erklärt auch einiges. Wenn man sich vorstellt, wie er im Dunkeln mit gestreiftem Schlafanzug die Raumschifffahrstühle hoch- und runtergefahren ist und auf die Welt dort draußen guckte, versteht man seinen letzten großen Auftritt in der Fernsehelefantenrunde besser. Der Fernsehturm, der Hauptbahnhof, der Reichstag, die Spree wirken von hier aus, als wären sie um den Bundeskanzler herumgebaut worden, so wie der kleine Park da hinten, in dem der Kanzler mit seinen Gästen spazieren gehen kann, mittendrin der Helikopterlandeplatz. Sein Reich. Wer hier zu viel Zeit verbringt, muss am Ende rausgetragen werden wie ein verrückt gewordener König. Angela Merkel hat sofort das Kanzlerbett abbauen lassen. Sie will zu Hause schlafen. Aber das Glas bleibt, es ist dick, und es verschwindet nicht, wenn sie das Raumschiff verlässt. Manchmal lädt sie sich Leute ein und lässt sich von ihnen erzählen, was im Land da draußen passiert. Künstler oder Wissenschaftler oder Sportler oder Wirtschaftsbosse, sie kann ja kriegen, wen sie will. Über ihrem Büro, ganz oben, gibt es ein Gästezimmer, da sitzt sie dann mit Josef Ackermann von der Deutschen Bank, Dieter Zetsche von Daimler und Jürgen Hambrecht von BASF und redet über die Wirtschaft. Sie kann gut zuhören, sagt Zetsche, bei ihrem Vorgänger Gerhard Schröder redete in solchen Runden zu 80 Prozent der Kanzler. Bei ihr ist es umgekehrt. Es ist natürlich nicht immer leicht, die Wahrheit zu erfahren, weil die Leute sich ihr mit großer Verehrung oder großer Furcht nähern und oft auch mit eigenen Interessen. Ackermann, so heißt es, beschwere sich des Öfteren darüber, dass sie nicht mache, was er ihr rate. Bei Hambrecht sei es eher so, dass er ihr zu sehr nach dem Munde rede. Sie hat hier oben mit Jürgen Klinsmann, Franz Beckenbauer und Oliver Bierhoff gestanden und über die bevorstehende Weltmeisterschaft geredet. Seitdem versteht sie ein wenig vom Fußball, nicht viel, aber manchmal ist auch Fußball nicht so anders als Politik. Sie bewunderte Klinsmann dafür, wie er von außen, als jemand, der nicht zur Familie gehörte, den starren Fußballverband aufbrach. Vielleicht sah sie da Parallelen zu ihrem eigenen Leben. Sie hatte gehofft, dass er die Bundesliga revolutionieren würde, aber jetzt hat ihn die Familie abgestoßen. Den engsten Kontakt hat sie zu Oliver Bierhoff. Sie ist mit ihm nach Südafrika gereist und schickt ihm gelegentlich eine SMS. Wenn ein Fußballspiel ansteht oder es mal wieder Ärger gibt mit Michael Ballack. Neulich wollte sie mal ein paar Leute aus dem Filmgeschäft kennenlernen, sagt sie. Sie hat sich eine Liste zusammenstellen lassen, auf der auch ein paar persönliche Wünsche berücksichtigt waren. Es kamen dann Heiner Lauterbach, Veronica Ferres, Volker Schlöndorff, Uschi Glas, Thomas Brussig und noch ein paar andere. Es sollte eigentlich darum gehen, was die Rolle der Kultur in den Zeiten der Weltwirtschaftskrise sein kann. Am Ende ging es dann aber vor allem um die Steuererklärungen von Schauspielern, sagt jemand, der dabei war. Die meisten ihrer Gäste berichten, wie unprätentiös und aufmerksam Angela Merkel auftritt. Es gibt immer reichlich Rotwein, und mit der Zeit beginnen sich alle recht wohl zu fühlen wie auf einem ganz normalen Abendessen. Es ist nur seltsam, wenn sie aus dem Raum gerufen wird und man redet gerade, sagt jemand. Es fühlt sich an, als verlören die eigenen Worte damit jegliche Bedeutung. In diesen Momenten begreifen alle, dass man zur Unterhaltung und Information der Kanzlerin eingeladen wurde. Gerhard Schröder wollte nicht allein sein, sagt ein Schriftsteller, der mit mehreren Politikern aß, er wollte Gesellschaft, Wein und ein paar gute Geschichten. Lafontaine sah eingeladene Künstler als Multiplikatoren, die seine Ideen unters Volk bringen sollten, Angela Merkel aber sei wirklich interessiert, was sie denken und fühlen. Natürlich weiß sie auch, dass es den Leuten schmeichelt, wenn sie eingeladen werden. Sie ist nun mal Kanzlerin, das ist das, was sie anzubieten hat. Aber sie will keine Erinnerungsfotos. Sie will nicht, dass die Gespräche "verzweckt" werden, wie sie das nennt. Sie will es so privat halten wie möglich. Das funktioniert nicht immer. In der aktuellen Ausgabe des Magazins "Cicero" plapperte der Regisseur Volker Schlöndorff seitenlang stolz über seine Begegnung mit Angela Merkel im Kanzleramt. Dazu gibt es Fotos von Volker Schlöndorff im Kanzleramtsheizungskeller und eine Großaufnahme von Angela Merkels Kaffeetasse. Das ist das Bild des Mannes, der mal einen Oscar für Deutschland gewonnen hat, die Frage ist, welches Bild Angela Merkel hat. Wie stellt sie sich nach fast vier Jahren Kanzlerschaft ihr Land vor? Was sieht sie? Ein riesiges Ölbild, gemalt von Josef Ackermann, Friede Springer, Uwe Tellkamp, Franz Beckenbauer und Uschi Glas? Sie hat lange davon profitiert, dass sie eine Seiteneinsteigerin war. Sie hat sich nicht wie die anderen von klein auf durch die politischen Instanzen robben müssen, sie hatte Inseln, von denen die anderen nichts wussten, Plätze, auf die sie sich zurückziehen konnte. Sie war Naturwissenschaftlerin, sie konnte Russisch, sie ist Pfarrerstochter und war FDJlerin, sie hat sich erst als Erwachsene für eine Partei entschieden wie für eine Eissorte. Sie hat die CDU genommen, vielleicht weil sie zu der am weitesten laufen und am höchsten springen musste. Die Partei der rheinischen Katholiken, eine Welt, in der Männer mit dickem Bauch, Aknenarben und schweigender Ehefrau herumstolzierten, war die Fremde, das Gegenteil von dem, was sie war, eine geschiedene, protestantische, ostdeutsche, kinderlose Naturwissenschaftlerin. Das wollte sie doch mal sehen, ob sie die knacken konnte. Aus ähnlichen Gründen hat sie einst Physik studiert, es schien ihr die größtmögliche Herausforderung zu sein. Eine Frau mit dieser bunten, verrückten Biografie, die im Westen geboren wurde, im Osten aufwuchs und nun das wiedervereinigte Land führt, sei doch ein wunderbares Experiment für Deutschland, sagt eine ihrer Mitarbeiterinnen. Verglichen mit dem bundesdeutschen Politikbetrieb war Angela Merkel wirklich lange Zeit geheimnisvoll, anders und authentisch. Sie hatte ein richtiges Leben vor der Politik. Aber dieses Leben ist seit 20 Jahren vorbei. Womöglich ist es aufgebraucht, und ein neues, authentisches Leben anzufangen ist schwer, in ihrer Position. Den politischen Aschermittwoch 2009 feierte Angela Merkel in Demmin, um ein bisschen vom rheinischen Temperament ihrer Partei ins wortkarge Mecklenburg-Vorpommern zu tragen, auch das eine Riesenherausforderung. Aus dem Autofenster sieht sie schwarze Wolken, die direkt überm vorpommerschen Ackerboden hängen. Vor der Festhalle wischen die langen Autoschlangen der Karnevalisten vorbei, und ein paar verlorene Gestalten, die gegen eine Schweinemastanlage protestieren. "Liebe Frau Merkel, warum so viel Ferkel!" Dann werden auch schon die Wagenschläge aufgerissen, das festgefrorene Begrüßungslächeln der lokalen Christdemokraten leuchtet auf, die Jackettschöße knattern im eiskalten Winterwind, ein Foto mit den Gastwirten, die das Hotel betreiben, zu dem die Festhalle gehört, gern, vielen Dank, sehr schön, zwischen den Anzugträgern wartet ein älterer Mann mit gefärbten, zerzausten Haaren und einer Old-Shatterhand-Wildlederjacke, der sie anlächelt, als würden sie sich seit Jahren kennen. Wer ist das? Das ist HA Schult. Ein Kölner Maler, der ein Porträt von ihr angefertigt hat. Sie lächelt ihn unsicher an und verschwindet schnell in einem kleinen Hinterzimmer. HA Schult erzählt draußen, dass er bislang alle Kanzler gemalt hat und zu den wenigen bildenden Künstlern zählt, die mit der Kanzlerin befreundet sind. Einen Moment lang kann man sich das vorstellen, auch weil einem kein Maler im Land einfällt, der als Freund der Bundeskanzlerin gilt. Alles, was einem einfällt, ist Schröder neben Immendorff. Ehrlich gesagt weiß man gar nicht so richtig, wer überhaupt mit Angela Merkel befreundet ist. Zu ihren Klassentreffen geht sie nicht mehr, weil es so lange dauert, um mit ihren ehemaligen Mitschülern auf eine gemeinsame Ebene zu kommen, sagt sie. Sie hat ein sehr gutes Verhältnis zu ihrer Schwester. Und es gibt den Mann, Professor Sauer, von dem es heißt, er halte sie am Boden. Sie hat ihre beiden Mitarbeiterinnen im Bundeskanzleramt, Eva Christiansen und Beate Baumann, denen vertraut sie. Sie hat Familie und Kollegen, aber Freunde? Alice Schwarzer, mit der sie sich ein paarmal zu privaten Essen traf, braucht eine ganze Weile, um ihr Verhältnis auf den Freundschaftsgehalt abzuklopfen. "Freundinnen?", sagt sie und holt Luft. "Nein, das behauptet die Presse. Obwohl ich nichts dagegen hätte. Ein freundschaftliches Verhältnis, das kann man sagen." Jürgen Kluge, Ex-McKinsey-Deutschlandchef, hat Angela Merkel und ihren Mann mal in ihrem Wochenendhaus in Hohenwalde besucht. Er war mit seiner Frau da. Angela Merkel hat Forellen gekocht. Sie sind spazieren gegangen und haben zwei Stunden lang keinen einzigen Menschen getroffen. Er hat dort draußen zum ersten Mal Kraniche schreien hören. Sie haben sich bei einer Jugend-forscht-Veranstaltung in der Frankfurter Paulskirche kennengelernt. Sie verstanden sich blendend, was sicher auch daran lag, dass beide Physiker sind. Kluge mochte ihre offene Art, sie seine. Er war schon als Kind in Salzburg und Bayreuth und verstand sich auch gut mit Sauer, der ein großer Opernfan ist. Es hätte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft werden können. Als Kluge als McKinsey-Chef-Deutschland abgelöst wurde, sprach Angela Merkel auf seiner Verabschiedung. Es war die berührendste, persönlichste Rede an jenem Abend, sagt Kluge. Sie hatten jetzt kaum noch Kontakte, weil sie nicht mehr auf einer Funktionsebene waren, sie war aufgestiegen, er ab. Vor ein paar Monaten war Kluge auf einer Tagung in Berlin und lief abends durchs Stadtzentrum zu seinem Hotel. Als er am Kupfergraben vorbeikam, traf gerade Angela Merkels Wagenkolonne ein. Sie hielten vor ihrem Mietshaus, und Kluge sah sie im Fond telefonieren. Er wollte kurz guten Abend sagen, aber dann sah er, wie das Wachpersonal sich spannte. Sie telefonierte, es war spät. Er wollte ihr nicht zur Last fallen und lief einfach weiter. Es geht mit Marschmusik in den Festsaal von Demmin, die Karnevalisten klatschen, Werner Kuhn, Landtagsabgeordneter der CDU aus Zingst, steht in der Bütt: Was sind Obama, Sarkozy und Putin gegen Aschermittwoch in Demmin. Tätä. Guido wollt den Sieg in Bayern ganz zünftig gleich im Dirndl feiern. Merkel lächelt steif. Guido im Dirndl. Ist das ihr Humor? Sind das noch ihre Leute? Sie kontrolliert ihr Handy unentwegt wie ein gelangweilter Teenager. Büttenredner Kuhn stellt die Kandidaten für die diesjährigen Wahlen vor. Wer genannt wird, soll kurz aufstehen. Aber du, liebe Angela, bleib bitte sitzen. Die Kanzlerin schaut sich nach den Fernsehkameras um und dann auf die Uhr, überall im Land sprechen jetzt Politiker auf politischen Aschermittwochen, sie sind spät dran, das Zeitfenster des Parlamentssenders Phoenix schließt sich gerade, und Werner Kuhn ist immer noch nicht fertig. "Amerika weiß ganz genau, dass Schwarze wählen keine Sünde ist", ruft er. Tusch. Dann endlich ist Angela Merkel dran. Drei Teile hat ihre Rede, sagt sie. Drei Teile wie das Jahr. Krisenjahr. Jubiläumsjahr. Wahljahr. Es ist die Rede, die sie in diesen Wochen immer wieder hält, bei Grundsteinlegungen, Messeeröffnungen, Betriebsversammlungen, die Amerikaner nennen das "stump". Ein Wahlkampfstumpen, der mit ein paar lokalen Besonderheiten wie Hallo Ilmenau, Willkommen auf der Cebit, liebe Heimatvertriebene gespickt wird. Es geht immer um die Krise, aus der wir gestärkt hervorgehen werden, ja müssen, es geht ums Brückenbauen, um harte Arbeit, um die Neuaufteilung der Welt, um die Wahl und dann um zwei Jubiläen, 60 Jahre Bundesrepublik und 20 Jahre Mauerfall, alles ein großes Glück. Die Demminer Besonderheit geht so: "Ich will gleiche Chancen in Stadt und Land, das ist unser Konzept." Die Bauern klatschen. Lenin hat ja nichts anderes gewollt. Manche Sachen ändern sich nie. Als sie fertig ist, spielt die Band "Hoch soll sie leben!", und von hinten nähert sich Werner Kuhn mit dem zerzausten Kölner Maler. HA Schult überreicht sein Kanzlerinnenporträt. Sie nimmt das Bild entgegen wie den Schrumpfkopf eines afrikanischen Stammesfürsten. Man spürt jetzt, dass HA Schult kein Freund ist. Sie will das alles nicht. Sie möchte kein Buch schreiben, obwohl ihre Berater sie immer wieder dazu auffordern, sie hält das alles für überflüssig. Ihr graut vor der Ahnengalerie im Kanzleramt. Das Fernsehfenster ist zu, Demmin schafft es nicht in die Nachrichten, Angela Merkel schnauzt, immer noch lächelnd, Werner Kuhn zusammen. "Sie war ziemlich sauer", sagt Kuhn später. "Vielleicht liegt's an der Krise." Das kann schon sein, aber vielleicht haben sie sich einfach auseinanderentwickelt. Vor 20 Jahren waren sie zwei Christen in der unchristlichen DDR. Kuhn war Schiffbauingenieur in Barth, Merkel Physikerin in Berlin. 20 Jahre sind eine lange Zeit. Kuhn hat sie in Mecklenburg-Vorpommern verbracht, Angela Merkel in der Bundespolitik. Sie war Ministerin, Partei- und Fraktionsvorsitzende und ist jetzt Kanzlerin. Sie ist keine Seiteneinsteigerin mehr, sie ist Politikerin. Sie hat viele Männer hinter sich gelassen, erst die ostdeutschen, die zu zart oder zu ungehobelt für die Politik waren, dann die westdeutschen, die zu selbstzufrieden und unbeweglich waren, um sie zu bezwingen, und jetzt ist sie da. Ihr Schreibtisch steht ganz oben im Raumschiff. Hinter ihr an der Wand hängt nur noch Konrad Adenauer, der allererste der steifen katholischen Männer, die ihr einst so fremd waren wie ein Vorfahr, der Opa vielleicht. Sie hat ihn nicht kennengelernt, aber inzwischen ist er ihr näher als Werner Kuhn. Wenn man Angela Merkel dort oben im Himmel besucht, kann man sich kaum noch vorstellen, dass es sie wirklich gibt. Man möchte sie kneifen, um herauszubekommen, dass sie echt ist, wenn sie in der Tür zu ihrem Arbeitszimmer auftaucht. Das liegt nicht nur am unwirklichen Bundeskanzleramtsklotz, sondern auch daran, dass sie immer mehr zu Material wird für Bücher, Leitartikel und Stammtischgespräche. Draußen tobt immer irgendetwas, im Moment ist es eine weltweite Wirtschaftskrise, und das Land fragt sich wieder, ob sie das packt. Als Frau, als Ostlerin, als Pfarrerstochter. Es gibt Kritiker, die sagen, sie handle zu langsam, zu spät, zu unentschlossen. Es gibt Bewunderer, die sagen, sie sei so besonnen, ruhig und beharrlich, wie man es in so einer Krise sein muss. Im März schienen sich die Kritiker durchzusetzen, sie schichten Argumente der Führungsschwäche um sie auf, die Konjunkturpakete waren zu groß beziehungsweise zu klein, sie sei nicht in der Lage, die große Rede zu halten, die das Volk erwarte. Im Moment sieht es wieder besser aus. Es heißt, sie habe sich konsolidiert. Warum, ist nicht ganz klar, vor allem weil die Bewunderer von heute oft die Kritiker von gestern sind. Überrascht sie das? "Ach, ich glaube, politische Entwicklungen gehen einfach so", sagt sie. "Es ist eine Wellenbewegung, die kann man als Person zwar beeinflussen, und die Umstände sind mal besser und mal schlechter, aber im Grunde wünschen sich weder die Öffentlichkeit noch die Medien Gleichmaß, also geht es hoch und runter. Natürlich freue ich mich, dass es im Moment eher nach oben geht." Sie lächelt entspannt. Vor ein paar Tagen war sie Gast von Anne Will, vor ein paar Stunden hatte sie eine Videokonferenz mit Barack Obama. Beides lief offensichtlich gut für sie. Bei Anne Will kümmerte sie sich um ihr innenpolitisches Ansehen, bei Obama ging's eher um Weltpolitik. Für sie hängt das alles zusammen. Sie lebt in einer Welt, die in einem Moment riesengroß ist und im nächsten winzig klein, einer Welt, in der man ihr nicht mehr folgen kann. Sie erlebt die unglaublichsten Sachen, aber sie kann es eigentlich mit niemandem teilen. Das ist der Preis der Kanzlerschaft. Der Preis, den sie bezahlen muss. Und der Preis, den sie gewonnen hat. Mitte März hat sie innerhalb von drei Tagen Nicolas Sarkozy, Gordon Brown und ihr Haus in der Uckermark gesehen. Es war wie ein Wirbelwind. An einem Tag stand sie mit Sarkozy und seiner wunderbar bunten französischen Delegation vor der blauen Wand im Kanzleramt. Sie hatte einen Knopf im Ohr, spitzte die Lippen und sah mit einem Seitenblick auf den französischen Präsidenten, der gestikulierte wie der Gendarm von St.-Tropez. Am nächsten Tag wanderte sie mit Gordon Brown durch die grünen Hügel, in denen der Landsitz des britischen Premiers liegt. Dann hatten sie ein kräftiges englisches Frühstück, fuhren nach London, redeten in der Downing Street Number 10 über die bevorstehenden Gipfel und gaben in einem Raum, der nach Mottenkugeln roch, eine Pressekonferenz. Sie hatte einen Stöpsel im Ohr, spitzte die Lippen und sah mit einem Seitenblick auf den britischen Premier, der verglichen mit dem zappeligen Sarkozy wirkte wie ein Findling aus der Uckermark. Von ihrem Stehpult bei der Pressekonferenz in London sah sie auf ein verstaubtes Gemälde von George II., Prince of Wales aus dem Jahr 1716, vom Stehpult in Berlin aus sah sie auf die seltsame Ahnengalerie der deutschen Kanzler. Helmut Kohl sieht aus wie ein verwirrter Alter, in einem bekleckerten Jackett, Gerhard Schröder glänzt golden wie König Midas. Dort wird sie auch irgendwann hängen, aber darüber möchte sie nicht nachdenken. Aus dem Autofenster sah sie dann, wie die Bäume in den Londoner Parks bereits blühten. Die Sonne schien. In Berlin blühten die Bäume noch nicht. Es war ein Sonnabendnachmittag, sie fuhr gleich weiter nach Hohenwalde. So konnte sie an einem Tag Hügel der Uckermark mit denen von Chequers vergleichen. Um 17 Uhr schloss sie ihr Wochenendhaus auf. Es heißt, sie kann Jacques Chirac gut nachmachen. Sie kann auch vorführen, wie Putin ist, wenn er wütend wird. Er schreibt dann Dinge auf einen Zettel, hektisch, und hält sie hoch. Da!, Da!, Da!, schreit Putin und zeigt immer wieder auf den Zettel. Angela Merkel lächelt und sagt leise, ich hab Sie schon beim ersten Mal verstanden. Sie hat keine Angst vor Putin, aber Respekt, weil er die gesamte Klaviatur des Machtspiels beherrscht, und sie hat auch George Bush nie unterschätzt. Sie hält ihn für hochintelligent und eisenhart in der Sache. Sie mochte sehr, wie er sich für ihre persönliche Geschichte interessierte. Da war echtes Interesse, glaubt sie. Am meisten mochte sie wohl Tony Blair, da ist etwas entstanden, das man beinahe Freundschaft nennen kann, sagt jemand aus dem Kanzleramt. Wie war die Videokonferenz mit Barack Obama? "Es war gut und interessant", sagt sie, "dass man sich sehen kann, macht es persönlicher als am Telefon. Insgesamt eine praktische Sache." Hatte er ein Jackett an? Sie schaut entgeistert. Die Aufregung darüber, dass Barack Obama den Jackettzwang im Weißen Haus abschaffte, findet Angela Merkel sicher so seltsam wie die Seufzer, die Michelle Obamas armfreie Kleider auslösten. Aber seit ihr tiefdekolletiertes Kleid beim Opernbesuch in Oslo in die Schlagzeilen kam, weiß sie, dass es wichtig sein kann. In den Jahren, bevor sie gewählt wurde, als bei den Frauen der Frust über Gerhard Schröder wuchs, vor allem bei den konservativen, bekam Angela Merkel viele Hinweise, wie sie sich äußerlich verändern müsse. In Berlin fand sich ein sogenannter Girls Club zusammen, der weitgehend für das aktuelle Erscheinungsbild der Kanzlerin verantwortlich sein soll. Zum erweiterten Kreis gehörten Friede Springer, Sabine Christiansen und Inga Griese, eine Stilkolumnistin der "Welt". Inga Griese mag Angela Merkel, sie findet cool, dass sie Russisch kann, Englisch und dass man sich für sie nicht schämen muss. Sie findet es angenehm, dass sie nicht von einer Bugwelle angekündigt wird wie Gerhard Schröder, sondern dass da nur Angela Merkel hereinkommt. Sie verkörpert Deutschland, die Ruhe, die Unaufgeregtheit, sagt sie, wir sind nicht Hollywood. Inga Griese bestreitet, dass sie und ihre Freundinnen sich einen Stil für Angela Merkel ausgedacht haben. Sie habe sich Tipps geben lassen, auch vom Berliner Starfriseur Udo Walz, und eine Marke kreiert, die man verlässlich, aber nicht tantig nennen könnte, sagt Inga Griese. Inzwischen ist auch dieser Kontakt in die Außenwelt vorbei. Angela Merkel hat jetzt eine Stylistin im Raumschiff, die sie jeden Morgen zu der Frau macht, die wir sehen. Obamas Jackett? Sie schaut zu Ulrich Wilhelm, ihrem Regierungssprecher, der ihr gegenübersitzt. Wilhelm nickt. "Also gut, er hatte ein Jackett an. Was spielt das für eine Rolle? Soll ich wieder sagen, wie ich Obama finde?" Gern. "Ich find ihn sehr sympathisch, intelligent, offen, zuhörend, abwägend, auf Fragen gut eingehend." War sie eher für Hillary oder eher für ihn? "Ich war Beobachterin, keine Beteiligte, weil's ja nicht mein Land ist. Also mich interessierte sein Vorgehen, seine Zielstrebigkeit, wie er zu einem ernsthaften Rivalen wurde und dann zum Gewinner. Natürlich hab ich zum Anfang als Frau eher auf Hillary Clinton geguckt. Sie hat toll gekämpft, und es war ja auch ein enges Rennen. Aber Sie sind ja wohl nicht hergekommen, um mit mir über Obama zu reden." Sie lacht ihr spöttisches Mädchenlachen, das sie für die Jungs übrig hat. Als sie vor ein paar Wochen das Opel-Werk in Rüsselsheim besuchte, präsentierte ihr der Vorstand auf einer riesigen Bühne zwischen Kinderchor und Oldtimern auch ein Elektroauto, mit dem sie in die Zukunft starten wollen. "Na, dann strengen Se sich ma an!", rief Merkel und lachte ihr spöttisches Mädchenlachen. Der Vorstandsvorsitzende lachte, das Meer der Anzugträger, in dem sie stand, lachte, und schließlich lachte der gesamte Saal. Männer mit Arbeitergesichtern und gelben T-Shirts, auf denen stand "WIR SIND OPEL", lachten, weil man mitlachen muss, wenn sie lacht. Diesmal lacht nur Ulrich Wilhelm mit, der Regierungssprecher. Ein freundlicher, blonder Mann, in dessen Gesicht sich die Stimmung der Kanzlerin wiederfindet wie in einem Spiegel. Wenn sie lacht, lacht er. Schaut sie ernst, schaut auch er ernst. Versteht sie eine Frage nicht, schaut er ahnungslos. Es heißt, sie rede nicht gern über Obama, weil er all das verkörpere, was sie nicht hat. Die Präsenz, den Zauber, die Leichtigkeit, den Pop, die Vision. Er hält die Reden, die sie nicht hält. Sie sagt, dass auch Obama keine Illusionen schüre. Dass er dasselbe Ziel vorgebe wie sie: Man müsse stärker aus der Krise kommen, als man hineingegangen sei. Aber all das wirkt lustlos, gebremst. Sie hat ein tiefes Misstrauen gegenüber Massenbewegungen, sagt ein Mitarbeiter. Sie wolle erst einmal sehen, wie Obama funktioniere, wenn er wirklich etwas durchsetzen muss. Er ist ihr sicher ein wenig unheimlich, aber als er im Januar vereidigt wurde, wollte sie das unbedingt sehen. Auf dem Landeplatz im Kanzlergarten drehten sich die Rotoren des Hubschraubers, der sie sofort zu einer Gewerkschaftstagung fliegen sollte. Soll warten, sagte sie. Sie saß im Zimmer ihrer Bürochefin und sah sich im Fernsehen an, wie der erste schwarze Mann als Präsident Amerikas vereidigt wurde. Sie wollte nicht seine Rede hören, sie wollte nur dabei sein. Denn dies war ein historischer Moment. Denkt sie daran, was die Geschichte einmal über sie sagen wird? "Nein", sagt sie schnell. "Dafür nimmt mich das tägliche Geschehen viel zu sehr in Beschlag. Ich sitz ja nicht dauernd neben mir und denke: Was könnte bleiben. Wir hatten drei Jahre, in denen wir gezeigt haben, dass Reformen sich lohnen. Wir haben mit 5 Millionen Arbeitslosen angefangen und waren nach drei Jahren bei 2,9. Und jetzt wird unsere Arbeit natürlich sehr durch diese Krise bestimmt. Wir müssen immer aufpassen, dass wir jetzt unter dem Druck der Wünsche nicht Sachen machen, über die man in fünf Jahren den Kopf schüttelt. Und die große Rede? "Ich verstehe den Wunsch der Menschen nach Erklärung in dieser Situation, aber am Ende ist eine Rede eine Rede, und entscheidend bleiben die Taten. Die Menschen wollen Gewissheit gegen die Verunsicherung, aber vollständige Gewissheit kann niemand auf der Welt geben, zu keiner Zeit. Ich will keine Illusionen wecken, die in vier Wochen wieder zerplatzen. Ich habe aber die Zuversicht, dass wir den Weg aus der Krise schaffen, und die kann ich, weil ich sie selbst habe, auch ausstrahlen. Das zählt." Eine königliche Haltung. Auch das britische Volk erwartete eine Rede von der Queen, nachdem Lady Di verunglückt war. Auch sie wollte nicht zum Volk sprechen, weil sie nicht wusste, warum. Angela Merkel macht nur das, was sie für vernünftig und sinnvoll hält. Als sie vor ein paar Wochen zusammen mit dem polnischen Ministerpräsidenten Tusk als Rednerin zum traditionellen Matthiae-Mahl ins Hamburger Rathaus geladen wurde, sagte sie den anwesenden Honoratioren der Stadt nicht, dass sie in Hamburg geboren wurde. Es wäre ein wunderbarer Einstieg gewesen, aber sie sah den Zusammenhang zum angespannten deutsch-polnischen Verhältnis nicht. Sie hat auch vor den Opel-Arbeitern in Rüsselsheim nicht Manfred Eggert erwähnt, den Opel-Händler aus ihrem Wahlkreis Rügen, in dessen Autosalon sie im vorigen Jahr eine Stunde verbracht hat. Ihre Reden sind schlicht und kühl, die Stenografen aus dem Bundeskanzleramt haben es nicht besonders schwer mit ihr. Manchmal müssen sie einen Satz auffüllen, den sie nicht zu Ende gebracht hat. Und manchmal verwendet sie Wörter, die es nicht gibt. Bei Opel in Rüsselsheim hat sie zweimal das Wort "Angang" benutzt, der Stenograf hat "Ansatz" draus gemacht. Denn das hat sie gemeint, wahrscheinlich. Klaus von Dohnanyi saß im Hamburger Rathaussaal und wunderte sich, dass sie ihre Geburtsstadt nicht erwähnte, wunderte sich und freute sich zugleich. "Sie ist die unprätentiöseste Politikerin, die ich kenne", sagt er. "Die deutsche Politik muss dringend versachlicht werden. Angela Merkel ist ein Glücksfall. Ihr Ehrgeiz besteht darin, Deutschland vernünftig zu führen. Sie macht keine Sache, von der sie vorher weiß, dass sie nichts bringt." Er und seine Frau Ulla Hahn sind wahrscheinlich das, was man am ehesten als Freunde der Kanzlerin bezeichnen könnte, sagt man im Kanzleramt. Sie gehen zusammen in die Oper, in Konzerte, sie reden über Musik und Literatur. Dohnanyi sitzt in der Arbeitsetage seines schönen weißen Hauses an der Außenalster, auf dem Couchtisch Tee, Plätzchen und der aktuelle SPIEGEL. "Darf der Staat Opel retten?" ist die Titelfrage. "Falsch gefragt", sagt Dohnanyi, die Lider halb geschlossen. "Die Frage ist, ob er es kann. Wenn er es kann, darf er es." Er war jahrelang im Aufsichtsrat von Audi und hat, wie er sagt, viele gute Sachen für Ford getan, in den Fünfzigern. In den Dreißigern war er an der Leipziger Thomasschule, in den Achtzigern Erster Bürgermeister von Hamburg. Er ist Bonhoeffers Neffe, war Staatssekretär unter Karl Schiller und hat einen Yale-Abschluss. Hätte Angela Merkel im Frühjahr 1990 diesen Mann kennengelernt, wäre sie vielleicht in die SPD eingetreten. "Ach was", sagt Dohnanyi. "Alle guten Politiker sind in der falschen Partei. Ich bin es, Steinbrück ist es und Helmut Schmidt wohl auch. Alles Menschen, die ihre Aufgabe darin sehen, Probleme zu lösen, die Schwächen auch in der eigenen Partei sehen. Ich war immer froh, wenn meine Partei zu 51 Prozent recht hatte. Ich möchte eine starke CDU, ich kann Frau Merkel nicht wählen, weil ich seit 52 Jahren in der SPD bin. Aber ich wünsche ihr viel Glück." Er empfiehlt, ein euphorisches Porträt zu schreiben. "Dann machen Se mal", sagt Angela Merkel und lacht spöttisch. Ihr Misstrauen ist grenzenlos. Und je mehr sie geliebt wird, desto misstrauischer wird sie. 52 Prozent aller Deutschen würden gern mit ihr in ein Café gehen. Sie lieben sie mehr als ihre Partei und mehr als den steifen Steinmeier sowieso. Die Autorin Jana Hensel, die vor ein paar Monaten ein "Zeit"-Gespräch mit Angela Merkel führte, testete vorher bei ein paar Freunden, wie das ankomme. Alle sagten ihr: Ach, die würde ich auch gern mal kennenlernen. Und ehrlich gesagt ging es ihr genauso. Die Leute schauen auf sie wie auf die Queen. Sie hat den Dalai Lama ins Kanzleramt eingeladen und die Netrebko zum Borschtsch-Essen in ihre Wohnung. Und sie sind gekommen, beide. Bei der Eröffnung der Cebit sagte Arnold Schwarzenegger, der wahrscheinlich berühmteste Politiker der Welt, dass das deutsche Volk stolz auf diese Frau sein sollte. Sie sei die "most powerful woman in the world". Außerdem gebe es sie jetzt auch als Barbiepuppe, ein sicheres Zeichen, dass man es geschafft habe. Aber Angela Merkel schaute nach unten, sie wischte irgendwelche Staubflecken von den Hosen ihres Hosenanzugs. Später, beim Abendessen, saß sie neben Arnold Schwarzenegger, der von weitem aussah wie ihr Bodyguard, und schien nicht so richtig zu wissen, worüber sie sich mit ihm unterhalten sollte. Sie interessierte sich mehr für Craig Barrett, den Verwaltungsratsvorsitzenden der kalifornischen Weltfirma Intel, der drei Plätze neben ihr, getrennt durch den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff und dessen junge Frau, plaziert worden war. Im Laufe des Abends tauschte sie Plätze mit den Wulffs. Frau Wulff kicherte mit Herrn Schwarzenegger, Herr Wulff saß stolz daneben. Angela Merkel aber redete mit Craig Barrett über die Zukunft der Welt. Als das Essen vorbei war, lief sie los wie immer, gewohnt, das Zentrum der Bewegung zu sein. Aber das war an diesem Abend Arnold Schwarzenegger. Einen Moment lang merkte sie nicht, dass ihr niemand folgte. Dann blieb sie stehen und sah zurück zu den Dinnertischen, wo ihr Regierungssprecher und die Sicherheitsleute um Arnold Schwarzenegger herumstanden. Ein paar Gäste der Cebit fassten sich ein Herz und kamen näher, begannen sie zu fotografieren. Man musste jederzeit damit rechnen, dass sie sie gleich berühren würden. Für einen kurzen Augenblick war das dicke Glas gebrochen. In diesem Moment sah es aus, als habe sie Angst vor ihrem Volk. Sie ist es einfach nicht mehr gewohnt. Jeden Quadratzentimeter deutschen Boden, den sie betritt, hat vorher schon jemand für sie abgeschritten. Die Sicherheitskräfte oder das Vorabkommando aus dem Kanzleramt. Als sie im vergangenen Jahr auf ihrer Bildungstour nach Ilmenau kam, um die Goetheschule zu besuchen, hatte das Kommando sogar einen grünen Kunstteppichweg ausgerollt, auf dem sich die Bundeskanzlerin den Schülern näherte, links und rechts des Weges wurden Absperrbänder gespannt. Es gab Punkte, an denen die Kanzlerin haltmachen sollte, um mit Schülern ins Gespräch zu kommen, die vorher bestimmt worden waren. Es gab die Anweisung, alle Handys zu Hause zu lassen, und aus irgendeinem Grund sollten während des Besuchs der Kanzlerin keine Faxgeräte betrieben werden. Ein Mann in einem kleinkarierten Jackett, der das Vorauskommando leitet, klebte einen kleinen weißen Punkt auf die Rasenfläche vor dem Schulgebäude. Dort würde später die Kanzlerin stehen, um in die Kameras zu sprechen. Es gab eine Schönwettervariante für das Gruppenfoto der Kanzlerin mit den Schülern und eine Schlechtwettervariante in der Turnhalle. Die Zentrale für die Sicherheit wurde im Sekretariat eingerichtet, im Büro des Rektors saßen ein Dutzend Einsatzkräfte. Das Vorauskommando war bereits Wochen vorher hier, um die Tauglichkeit der Goetheschule zu prüfen. Alles passte. Die Realität wurde so lange gesiebt, bis nur noch Goldstaub da war. Ein hübsches weißes Schulgebäude auf einem kleinen Hügel am Waldesrand, wie aus einem Mittwochfilm im ZDF. Vor diesem Hintergrund sind nur winzige Ausbrüche möglich. Weil Angela Merkel an der falschen Stelle haltmachte, erfuhr sie vom Handy-Verbot, was sie furchtbar aufregte, weil sie das niemals verlangt hatte. Später beim Forum fuhr sie dem Rektor über den Mund, weil er eine Frage beantwortet hatte, die eigentlich seinen Lehrern gestellt worden war. Bevor sich alle beruhigt hatten, saß Angela Merkel schon wieder im Auto zum Helikopter, mit dem sie zum nächsten Stopp ihrer Bildungsreise flog, einem Berufsausbildungszentrum in Ludwigshafen. Das Vorauskommando aus dem Kanzleramt überwachte den Rückbau seiner Inszenierung und nahm dann den Nachmittagszug nach Berlin. Angela Merkel weiß, dass sich die Dinge verselbständigen können, ist aber grundsätzlich dankbar für einen reibungslosen Ablauf. Sie erzählt, wie sie als Oppositionspolitikerin mal eine Soldatenunterkunft im Kosovo ohne Vorabkommando besuchte. Fotografen und Kameraleute sprangen auf den Betten herum und fotografierten sie ungeschützt. Sie stammelte und starrte, und später wurde ihr noch vorgeworfen, dass sie dort drin ein Chaos verursacht habe. Es war ein legendärer Auftritt. Das soll ihr nie wieder passieren. Angela Merkel macht jeden Fehler nur einmal, sagt jemand aus dem Kanzleramt. Sie will natürlich Kontakt, aber sie will auch die besten Bilder. Im gerade erschienenen Bildband ihrer Lieblingsfotografin Laurence Chaperon sieht man sie in so inszenierten Landschaften und Farben, dass sie mitunter wirkt wie Kim Il Sung. Jemand, der seit Jahren an ihren kleinen und größeren Runden teilnimmt, sagt, dass sie die einzige Spitzenpolitikerin sei, die man kritisieren könne. Sie höre zu, nicke, aber die Kritik erreiche sie nicht. Teilweise mache sie anschließend das Gegenteil von dem, was man ihr geraten habe. Sie sei eine Riesenenttäuschung. Sie habe sich völlig abgekapselt. Auch Jürgen Kluge, ihr Beinah-Freund, weiß, dass es manchmal schwer ist, sie zu erreichen. Kurz vor den letzten Bundestagswahlen hat er sie angerufen und ihr gesagt, dass ihr Wirtschaftskurs die Wähler verunsichere. Sie müsse die Leute mehr mitnehmen, sagt er. Sie konnte kaum zuhören, sie war auf dem Weg von einem Wahlkampfauftritt zum nächsten. Er riet ihr, ein, zwei Tage freizumachen und Luft zu holen. Ich kann das nicht, sagte sie, ich muss weiter. Geschichten wie diese erzählen viele Menschen, von denen es heißt, sie seien Angela Merkel nahe. Alice Schwarzer, Oliver Bierhoff, Klaus von Dohnanyi, sie alle sagen an irgendeiner Stelle: Na ja, sie hat natürlich auch nicht mehr so viel Zeit, seit sie Kanzlerin ist. Wann ich sie das letzte Mal gesehen habe? Oh, da muss ich überlegen. Andere sagen, sie erscheine in Berlin auf allen möglichen gesellschaftlichen Partys und bleibe oft bis zum Schluss. Es klingt, als falle sie seit vier Jahren in einen Brunnen, der keinen Boden hat. Sie kämpft dagegen an, mit teilweise rührenden Methoden. Einmal wöchentlich geht sie in ihre alte Kaufhalle, den Ullrich Verbrauchermarkt in der Mohrenstraße. Manchmal macht sie den großen Einkauf, manchmal ihr Mann. Es ist nicht immer einfach wegen der Sicherheitsleute, aber es ist ihr wichtig. Sie möchte auch den Wagen selbst schieben. Bis zum Auto. Helga Marquaß, die Chefkassiererin der Kaufhalle, sagt, dass Frau Merkel so unauffällig wie möglich durch die Gänge laufe. Meist schaue sie nach unten. Professor Sauer rede schon mal mit ihnen, wenn er das Obst nicht finde oder das Manhattan-Eis alle sei. Frau Marquaß nennt ihn "unseren Herrn Sauer". Wenn Angela Merkel in die Oper geht oder in ein Restaurant, lässt sie für die Sicherheitsleute Plätze reservieren und sagt ihnen ein halbe Stunde vorher Bescheid, damit sie keine Zeit mehr haben, die Lokalitäten vorher auf den Kopf zu stellen. Es ist ein ständiger Kampf um Normalität. Warum wollte sie eigentlich Kanzlerin werden? "Ich wollte was gestalten, also, es ist der Gestaltungsanspruch", sagt sie. "Es macht mir Spaß, Leute zusammenzuführen, Ergebnisse zu finden." Würde sie es noch mal machen? "Natürlich". Schläft sie gut? "In der Regel schon. Manchmal wache ich nachts auf und denke mir Sachen durch." Ihr Vater Horst Kasner ist mit seiner Familie 1954 aus Hamburg in den Osten gezogen, weil er dachte, dass er als Pfarrer dort eher gebraucht würde. Er hat Angela Merkel in einem Körbchen in die DDR getragen. Sie hat den Preis dafür bezahlt und auch ihre Mutter, die als westdeutsche Latein- und Englischlehrerin in die Uckermark musste, wo Russisch die erste Fremdsprache war. Kasner baute das Pastoralkolleg Templin auf und hatte auch das Leben seiner Tochter geplant. Sie schien immer wieder ausbrechen zu wollen. Als alter Mann be- klagte sich Kasner, dass sie mache, was sie wolle. Aber am Ende hat sie doch noch seinen Weg eingeschlagen. Sie dient. Sie will kein Buch über sich, sie will kein Gemälde, sie will keine großen Reden halten, sie will allein einkaufen gehen. Das Präsidium des Vertriebenenbundes hat sie zu ihrem Geburtstag zum Essen eingeladen, weil ihr die Vertriebenenfrage so wichtig ist. Vielleicht wichtiger als sie selbst. Den Pflaumenkuchen, von dem immer alle reden, isst sie nicht. Sie mag keinen Kuchen. Sie backt ihn, weil er ihrem Mann schmeckt. In den letzten Tagen lief sie durch die westdeutsche Kunstausstellung "60 Jahre - 60 Werke" mit der gleichen königlichen Distanz wie durch den ostdeutschen Stasi-Knast Hohenschönhausen. Beides hatte scheinbar nichts mit ihr zu tun. Nur am Ende ihres Besuchs in Hohenschönhausen, nachdem sie von ehemaligen Häftlingen durch Folterräume und Verhörzimmer geführt worden war, meldete sich aus dem lila Kostümpanzer die Stimme eines Mädchens, die erzählte, wie Angela Merkel an der Hochschule in Ilmenau von der Stasi angesprochen wurde und denen sagte, was ihr ihre Mutter mit auf den Weg gab: Du kannst doch den Mund nicht halten. Doch dann musste die Kanzlerin weiter zum König von Jordanien, und am nächsten Tag klangen die Worte seltsam naiv. Man kann sie sich nicht mehr vorstellen in einem anderen Leben. Und daran hat sie hart gearbeitet. Sie überzieht alles Persönliche, das protestantische, ostdeutsche und weibliche, mit einer Asphaltschicht wie das alte Katzenkopfpflaster auf dem Feldweg in Hohenwalde, um voll und ganz Kanzlerin sein zu können. Ihre Wohnung, sagt jemand, der sie dort mal besucht hat, gleiche einer Studentenbude. Ein metallicfarbener CD-Player auf dem Fußboden, um den ein paar CDs herumliegen. Ein Resopaltisch, Kunstholzstühle. Ein Poster an der Wand. Schmucklos, unpersönlich und asketisch. Und wenn man sie nach der Schuhmarke fragt, die ihr Alice Schwarzer mal empfohlen hat, zuckt sie mit den Schultern und sagt: "Festes und schönes Schuhwerk bringt einen gut durch den Tag." Ein wunderbarer Satz. Leider nimmt sie ihn später zurück wie fast alles, was sie zu menschlich erscheinen lässt. Einmal hat sie versucht, über den Küchenfahrstuhl des Kanzleramts auszubrechen. Es war der einzige Weg hinaus, der nicht mit Kameras bewacht wurde. Sie kam bis in die Tiefgarage. Da standen sie mit den Hunden. --></p>
<p>[weiter auf <a href="http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?titel=Die+deutsche+Queen&amp;id=65330394">spiegel.de</a>]</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://frankenschulz.de/blog/2009/06/16/karrieren-die-deutsche-queen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Bruce Springsteen on Pete Seeger</title>
		<link>http://frankenschulz.de/blog/2009/05/10/bruce-springsteen-on-pete-seeger/</link>
		<comments>http://frankenschulz.de/blog/2009/05/10/bruce-springsteen-on-pete-seeger/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 10 May 2009 20:02:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frankenschulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Music]]></category>
		<category><![CDATA[Politics]]></category>
		<category><![CDATA[Springsteen]]></category>
		<category><![CDATA[video]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://frankenschulz.de/blog/?p=405</guid>
		<description><![CDATA[Of course, that&#8217;s what Pete&#8217;s done his whole life. He sings all the verses all the time, especially the ones that we&#8217;d like to leave out of our history as a people. As Pete and I traveled to Washington for President Obama&#8217;s Inaugural Celebration, he told me the entire story of &#8220;We Shall Overcome&#8221;. How [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Of course, that&#8217;s what Pete&#8217;s done his whole life. He sings all the verses all the time, especially the ones that we&#8217;d like to leave out of our history as a people.</p></blockquote>
<object type="application/x-shockwave-flash" data="http://www.youtube.com/v/9P0Ti0vaibY" width="425" height="350"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/9P0Ti0vaibY" /></object>
<p>As Pete and I traveled to Washington for President Obama&#8217;s Inaugural Celebration, he told me the entire story of <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/We_Shall_Overcome" title="wikipedia">&#8220;We Shall Overcome&#8221;</a>. How it moved from a labor movement song and with Pete&#8217;s inspiration had been adapted by the civil rights movement. That day as we sang <a href="http://www.youtube.com/watch?v=xl08hEegDu4" title="youtube">&#8220;This Land Is Your Land&#8221;</a> I looked at Pete, the first black president of the United States was seated to his right, and I thought of the incredible journey that Pete had taken. My own growing up in the sixties in towns scarred by race rioting made that moment nearly unbelievable and Pete had thirty extra years of struggle and real activism on his belt. He was so happy that day, it was like, Pete, you outlasted the bastards, man!&#8230;It was so nice. At rehearsals the day before, it was freezing, like fifteen degrees and Pete was there; he had his flannel shirt on. I said, man, you better wear something besides that flannel shirt! He says, yeah, I got my longjohns on under this thing.</p>
<p>And I asked him how he wanted to approach &#8220;This Land Is Your Land&#8221;. It would be near the end of the show and all he said was, &#8220;Well, I know I want to sing all the verses, I want to sing all the ones that Woody wrote, especially the two that get left out, about private property and the relief office.&#8221; <span id="more-405"></span>I thought, of course, that&#8217;s what Pete&#8217;s done his whole life. He sings all the verses all the time, especially the ones that we&#8217;d like to leave out of our history as a people. At some point Pete Seeger decided he&#8217;d be a walking, singing reminder of all of America&#8217;s history. He&#8217;d be a living archive of America&#8217;s music and conscience, a testament of the power of song and culture to nudge history along, to push American events towards more humane and justified ends. He would have the audacity and the courage to sing in the voice of the people, and despite Pete&#8217;s somewhat benign, grandfatherly appearance, he is a creature of a stubborn, defiant, and nasty optimism. Inside him he carries a steely toughness that belies that grandfatherly facade and it won&#8217;t let him take a step back from the things he believes in. At 90, he remains a stealth dagger through the heart of our country&#8217;s illusions about itself. Pete Seeger still sings all the verses all the time, and he reminds us of our immense failures as well as shining a light toward our better angels and the horizon where the country we&#8217;ve imagined and hold dear we hope awaits us.</p>
<p>Now on top of it, he never wears it on his sleeve. He has become comfortable and casual in this immense role. He&#8217;s funny and very eccentric. I&#8217;m gonna bring Tommy out, and <a href="http://www.youtube.com/watch?v=SvzNVqUjk4A" title="youtube">the song Tommy Morello and I are about to sing</a> I wrote in the mid-nineties and it started as a conversation I was having with myself. It was an attempt to regain my own moorings. Its last verse is the beautiful speech that Tom Joad whispers to his mother at the end of <a href="http://www.youtube.com/watch?v=wYFJmm0aK-8">The Grapes of Wrath</a>.</p>
<p><em>&#8220;&#8230;Wherever there&#8217;s a cop beatin&#8217; a guy<br />
Wherever a hungry newborn baby cries<br />
Where there&#8217;s a fight &#8216;gainst the blood and hatred in the air<br />
Look for me Mom I&#8217;ll be there.&#8221;</em></p>
<p>Well, Pete has always been there.</p>
<p>For me that speech is always aspirational. For Pete, it&#8217;s simply been a way of life. The singer in my song is in search of the ghost of Tom Joad. The spirit who has the guts and toughness to carry forth, to fight for and live their ideals.</p>
<p>I&#8217;m happy to report that spirit, the very ghost of Tom Joad is with us in the flesh tonight. He&#8217;ll be on this stage momentarily, he&#8217;s gonna look an awful lot like your granddad who wears flannel shirts and funny hats. He&#8217;s gonna look like your granddad if your granddad could kick your ass.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://frankenschulz.de/blog/2009/05/10/bruce-springsteen-on-pete-seeger/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Privatgarten Griebnitzsee</title>
		<link>http://frankenschulz.de/blog/2009/04/27/privatgarten-griebnitzsee/</link>
		<comments>http://frankenschulz.de/blog/2009/04/27/privatgarten-griebnitzsee/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 27 Apr 2009 20:27:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frankenschulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politics]]></category>
		<category><![CDATA[Potsdam]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://frankenschulz.de/blog/?p=385</guid>
		<description><![CDATA[Und die Finanzkrise ist im Kern eine Vertrauenskrise, sie hat moralische Ursachen. Wir alle haben den Hals nicht voll genug bekommen. Wir alle wollten immer mehr. (Unternehmer Max Schön, Präsident der Deutschen Gesellschaft Club of Rome) Poor man wanna be rich, rich man wanna be king And a king ain&#8217;t satisfied till he rules everything&#8230; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Und die Finanzkrise ist im Kern eine Vertrauenskrise, sie hat moralische Ursachen. Wir alle haben den Hals nicht voll genug bekommen. Wir alle wollten immer mehr.</p>
<p>(Unternehmer Max Schön, Präsident der Deutschen Gesellschaft Club of Rome)</p></blockquote>
<div style="text-align: center;"><a href="http://frankenschulz.de/blog/images/griebnitzsee-cc.jpg"><img title="Uferweg Griebnitzsee April 2009" src="http://frankenschulz.de/blog/images/griebnitzsee-cc-thumb.jpg" alt="Uferweg Griebnitzsee April 2009" width="350" height="267" /></a></div>
<blockquote>
<p style="text-align: left;">Poor man wanna be rich, rich man wanna be king<br />
And a king ain&#8217;t satisfied till he rules everything&#8230;
</p>
<p style="text-align: left;">(Bruce Springsteen)</p>
</blockquote>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://frankenschulz.de/blog/2009/04/27/privatgarten-griebnitzsee/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Sportwaffe?</title>
		<link>http://frankenschulz.de/blog/2009/03/12/sportwaffe/</link>
		<comments>http://frankenschulz.de/blog/2009/03/12/sportwaffe/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 12 Mar 2009 17:57:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frankenschulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politics]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://frankenschulz.de/blog/?p=328</guid>
		<description><![CDATA[&#8220;&#8230; der Vater des Amokläufers, besitzt als Mitglied eines Schützenvereins laut Polizei legal 15 Schusswaffen.&#8221; [SPIEGEL Online] Sporting gun? &#8220;&#8230; the amok runner&#8217;s father, as a member of a gun club, legally owns 15 fire arms the police report.&#8221;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Beretta_92"><img class="alignnone" title="Beretta 92" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/61/M9-pistolet.jpg/250px-M9-pistolet.jpg" alt="" width="250" height="168" /></a></p>
<p>&#8220;&#8230; der Vater des Amokläufers, besitzt als Mitglied eines Schützenvereins laut Polizei legal 15 Schusswaffen.&#8221; [<a href="http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,612767,00.html">SPIEGEL Online</a>]</p>
<p><em><strong>Sporting gun?</strong></em></p>
<p><em>&#8220;&#8230; the amok runner&#8217;s father, as a member of a gun club, legally owns 15 fire arms the police report.&#8221;</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://frankenschulz.de/blog/2009/03/12/sportwaffe/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

